LEG Lupsingen: Wie ein Dorf seinen Solarstrom gemeinsam nutzt

Seit Anfang 2026 dürfen ganze Gemeinden Solarstrom lokal teilen. Lupsingen im Baselbiet nutzt die neue Chance – und betreibt heute eine der grössten lokalen Elektrizitätsgemeinschaften der Schweiz.

Blick auf Lupsingen mit blühenden Obstbäumen, grünen Wiesen und dem Dorf am Hang.

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit dem 1. Januar 2026 sind lokale Elektrizitätsgemeinschaften (LEG) in der ganzen Schweiz möglich – die LEG Lupsingen ist seit dem 1. April 2026 in Betrieb.

  • Mit derzeit 84 Mitgliedern zählt sie zu den grössten LEG der Schweiz. Dabei sind sechs kommunale Gebäude mit ihren PV-Anlagen eingebunden.

  • Alle profitieren: Wer einspeist, erhält mehr für den Solarstrom; wer bezieht, zahlt für den über die LEG bezogenen Strom rund 25 % weniger als im Standardtarif – dank reduzierter Netznutzungstarife.

  • Seit Beginn hat die LEG ihren Teilnehmenden gemeinsam rund 7300 CHF Vorteil gebracht – diese Wertschöpfung bleibt im Dorf.

  • Lupsingen baut auf eine lange Energietradition auf: Wärmeverbund, Solargenossenschaft und eine Klimastrategie mit Netto-Null-Ziel 2040.

Ein Dorf, das seinen eigenen Strom nutzt

Lupsingen ist ein Dorf zwischen den Jurahügeln mit knapp 1600 Einwohnenden. Auf rund 150 Dächern erzeugen Photovoltaikanlagen Solarstrom. Damit dieser Strom möglichst dort genutzt wird, wo er entsteht, hat das Dorf eine lokale Elektrizitätsgemeinschaft gegründet. Mit 84 Mitgliedern gehört die LEG Lupsingen zu den grössten der Schweiz – und dies, obwohl das Modell erst seit Anfang 2026 zulässig ist.

Was ist eine lokale Elektrizitätsgemeinschaft?

Eine LEG ermöglicht es, lokal erzeugten erneuerbaren Strom über das öffentliche Netz innerhalb einer Gemeinde zu verkaufen und zu nutzen. Produzentinnen und Produzenten, Bezügerinnen und Bezüger sowie – wo vorhanden – Speicherbetreibende schliessen sich zusammen. Der grosse Vorteil: Für den lokal ausgetauschten Strom gewähren die Netzbetreiber einen Rabatt auf die Netznutzung – 40 %, wenn alle Teilnehmenden auf derselben Netzebene befinden, sonst 20 %. Da die Netznutzung einen erheblichen Teil des Strompreises ausmacht, profitieren beide Seiten, auch die Gemeinde. Auch wer kein eigenes Solardach besitzt, kann teilnehmen und lokalen Strom beziehen.

Einen neutralen Überblick über die verschiedenen Modelle bietet die Plattform lokalstrom.chvon EnergieSchweiz, Swissolar und dem Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE).

Ein Marktplatz für Sonnenstrom

Die Initianten vergleichen die LEG mit einem lokalen Dorfmarkt: Tagsüber wird die «Ware» angeliefert, und die Kundschaft kauft ein, wenn etwas da ist. Weil der lokale Strom günstiger ist als beim regionalen Versorger, folgt die Nachfrage dem Angebot. So wird Strom vermehrt dann genutzt, wenn am meisten produziert wird – etwa, wenn das Elektroauto über Mittag geladen wird. Heute deckt die Gemeinschaft rund 44 % des Stromverbrauchs ihrer Teilnehmenden mit lokalem Solarstrom. Auch die Gemeinde selbst liefert: Sechs kommunale Gebäude speisen mit ihren Photovoltaikanlagen in die LEG ein.

Bis zur LEG-Gründung brauchte es viel Überzeugungsarbeit und einen langen Atem. Heute sehen wir: Es hat sich gelohnt und andere Gemeinden ziehen nach.
Manuel Ballmer, Initiant

Vom Verkauf und vom Kauf profitieren

Für dezentrale Anlagen geht die Rechnung mit der LEG besser auf: Wer einspeist, erhält mehr für den Solarstrom als beim regionalen Versorger. Wer bezieht, bezahlt für den über die LEG bezogenen Strom rund 25 % weniger als im Standardtarif der regionalen Versorgerin. So lässt sich mit einer kleinen Anlage im Sommer über die LEG deutlich mehr für das Einspeisen erzielen. Seit dem Start im April 2026 haben die Käuferinnen und Käufer zusammen rund 2050 CHF gespart, die Verkäuferinnen und Verkäufer nahmen rund 1550 CHF mehr ein – insgesamt rund 3600 CHF Vorteil für die Gemeinschaft, und insgesamt 4900 CHF Wertschöpfung, die im Dorf bleibt. Auch für das Stromnetz ist das Modell interessant: Wird der Sonnenstrom lokal genutzt, sinkt der Druck, das Netz auszubauen.

Eine lange Energietradition als Fundament

Dass Lupsingen vorne dabei ist, hat Gründe. Das Dorf beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit erneuerbaren Energien: Seit 2006 läuft ein mit Holzschnitzeln betriebener Wärmeverbund, und seit 2011 fördert die Solargenossenschaft LupoSoldie lokale PV-Produktion – heute mit vier Photovoltaikanlagen. Rund 25 % des Solarpotenzials auf den Dächern vor Ort werden bereits genutzt, mehr als doppelt so viel wie im Schweizer Durchschnitt. Getragen wird diese Entwicklung von engagierten Menschen aus verschiedensten Kreisen im Dorf.

Diese Vorarbeit passt zudem zur Ambition der Gemeinde: In ihrer Klimastrategie 2040 strebt Lupsingen die Klimaneutralität auf dem Gemeindegebiet bis 2040 an – zehn Jahre früher als das nationale Netto-Null-Ziel. Die LEG ist so ein sichtbarer Baustein auf diesem Weg.

Wir zeigen, wie die Energiewende in einer ländlichen Gemeinde funktioniert: Der Solarstrom und die Wertschöpfung bleiben im Dorf.
Nathan Walder, Mitglied des Gemeinderates Lupsingen BL

Was es zu Beginn braucht

Eine LEG entsteht nicht von allein. Es braucht engagierte «Zugpferde» mit Know-how, das Engagement der Gemeinde, die Bereitschaft der Hauseigentümerinnen und -eigentümer sowie einen Netzbetreiber, der das Modell umsetzt. Der organisatorische und administrative Aufwand für den Aufbau ist nicht zu unterschätzen. Der Nutzen ist jedoch konkret: finanziell für die Teilnehmenden und wirksam im Sinne der Klimastrategie der Gemeinde.

LEG-Versammlung in Lupsingen mit zahlreichen Teilnehmenden und einer Präsentation.

LEG-Versammlung in Lupsingen

Häufige Fragen

Das Projekt im Überblick

Zeitdauer

In Betrieb seit 1. April 2026 (LEG schweizweit möglich ab 1. Januar 2026)

Involvierte Akteurinnen und Akteure

Private Initianten, insbesondere Manuel Ballmer, Unternehmer, und Roger Wenk, Präsident Natur- und Umweltschutzkommission

Ecolabor GmbH mit ihren Tools (leg-app.ch und leg-manager.ch)

Gemeinde Lupsingen (Gemeinderat Nathan Walder)

Solargenossenschaft LupoSol

Netzbetreiberin Primeo Netz AG

Kosten und Finanzierung

Vorteil beruht auf dem Rabatt auf die Netznutzung (40 % bzw. 20 %, je nach Netzebene) für lokal ausgetauschten Strom; Preise werden in der LEG frei vereinbart (aktuell fixer Tarif).

Erfolge

84 Mitglieder, davon 50 Produzierende – eine der grössten LEG der Schweiz

Bezügerinnen und Bezüger sparen rund 25 % gegenüber dem Standardtarif; Einspeisende erhalten mehr.

1800 CHF finanzieller Vorteil für die Gemeinde seit dem Start.

Herausforderungen

Organisatorischer und administrativer Aufwand beim Aufbau; weitere Bezügerinnen und Bezüger für die Gemeinschaft gewinnen.

Nachhaltige Perspektive

Baustein der kommunalen Klimastrategie mit Netto-Null-Ziel 2040; stärkt lokale Wertschöpfung und entlastet das Stromnetz.

Hinweise / Besonder-heiten

Engagierte Köpfe in der Gemeinde als treibende Kraft

Aufbauend auf langer Energietradition (Wärmeverbund seit 2006, LupoSol seit 2011); rund 150 PV-Anlagen im Dorf.

Weitere Quellen

LEG-Tools Ecolabor GmbH (leg-app.ch / leg-manager.ch)

Informationsanlässe von LupoSol, Lupsingen

SRF-Beitrag (26.7.2026)

Installierte PV-Leistung

1256 kWp

Teilnehmende / Anzahl kommunale PV-Anlagen

84 Mitglieder / 50 Produzierenden, 6 kommunale Solaranlagen (Stand 08/2026)

Einsparung und Mehrerlös (total seit Betriebsstart)

4900 CHF (Stand 08/2026)

Eigenverbrauchs-Anteil

44 % (Stand 08/2026)

Bild: © LEG Lupsingen

Kontakt

Manuel Ballmer Initiant, Ecolabor GmbH 4419 Lupsingen +41 76 440 41 54 manuel.ballmer@ecolabor.ch

Nathan Walder Mitglied Gemeinderat, Gemeindeverwaltung Lupsingen Liestalerstrasse 14, 4419 Lupsingen +41 61 915 90 50

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