Die Planung von Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge gewinnt für Immobilieneigentümer, Investorinnen und Verwaltungen zunehmend an Bedeutung. Frühzeitige Entscheidungen helfen, spätere Nachrüstungen, technische Einschränkungen oder falsch dimensionierte Systeme zu vermeiden.
Das Merkblatt 2060 des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA) liefert Richtwerte zum Ausrüstungsumfang und zeigt auf, welche Aspekte in der Planung zu berücksichtigen sind. Das Merkblatt unterscheidet vier Ausbaustufen.
Die vier Ausbaustufen des Merkblatts SIA 2060
Zur besseren Übersicht werden die Stufen A–C als «Grundinstallation mit Steuerung» zusammengefasst, während Stufe D die eigentlichen Ladestationen umfasst.
Grundinstallation mit Steuerung (A–C)

Die Grundinstallation bereitet Parkanlagen auf die spätere Installation von Ladestationen vor. Sie umfasst Stromzuführung, Schutzvorrichtungen, Kommunikationsverkabelung sowie Haupt- und Kontrollzähler. Es gibt zwei Varianten:
SIA Ausbaustufe C1: Horizontale Zuleitung über die Parkplätze, z. B. mit Stromschiene oder Flachkabel. Die Ladestationen können später einfach angeschlossen werden.
SIA Ausbaustufe C2: Zuleitung bis zur Position der zukünftigen Ladestation, sodass nur noch die Station montiert oder eingesteckt werden muss.
Die Grundinstallation bietet Kostenvorteile gegenüber einer schrittweisen Erschliessung und ist unabhängig von technologischen Weiterentwicklungen. Auch Parkplätze ohne aktuellen Ladebedarf sollten berücksichtigt werden, um zukünftigen Ausbau zu erleichtern.
Alternative Umsetzungsmöglichkeit: Einzelanschlüsse mit übergreifender Steuerung

Alternativ kann eine intelligente Ladeinfrastruktur auch durch eine individuelle Erschliessung der Ladestationen über die Wohnungszähler realisiert werden, sofern die Ladestationen über eine intelligente Steuerung verfügen. Diese Variante ist jedoch in der Regel mit höheren Kosten verbunden.
Steuerung
Die Steuerung der Ladeinfrastruktur sorgt für eine effiziente Verteilung der verfügbaren Stromkapazitäten auf die ladenden Fahrzeuge (Last- bzw. Energiemanagement). Zudem verwaltet es Zugänge für die Nutzenden sowie Ladetransaktionen und ermöglicht ein Monitoring der Verfügbarkeit der Ladeinfrastruktur. Dadurch kann die bestehende elektrische Infrastruktur optimal genutzt werden, ohne dass sofort kostenintensive Anpassungen oder ein Ausbau des Hausanschlusses erforderlich sind.
Verschiedene Kommunikationsstandards (z. B. OCPP 1.6/2.0, ISO 15118) ermöglichen herstellerübergreifende und zukunftsfähige Lösungen. Für die Auswahl eines geeigneten Steuerungs- und Abrechnungssystems wird empfohlen, eine qualifizierte Fachperson beizuziehen. Zusätzlich unterstützt die Marktübersicht den Auswahlprozess.
Ladestationen (SIA Ausbaustufe D)
Für Mehrparteiengebäude werden AC-Ladestationen mit 11 kW empfohlen, die mit der Steuerung kompatibel sind und folgende Anforderungen erfüllen:
Internetanbindung (z. B. WLAN, LAN, GSM, Powerline) und Kommunikationsschnittstellen zur Steuerung und Zugangssystem (z. B. Zugangskarte / Badge, Schlüssel oder App)
Zuleitung ab Grundinstallation, Fehlerstromschutz (FI-Schalter) und Leitungsschutzschalter (LS-Schalter) und geeigneter Verbrauchszähler pro Ladestation. Diese sind in einigen Ladestationen bereits integriert.
Aus Komfortgründen evtl. ein integriertes Kabel, das bei Defekt einfach ausgetauscht werden kann.
Mit einem Adapter für die Ladestation können auch E-Bikes und andere Geräte geladen werden (jedoch nicht gleichzeitig wie das E-Auto).
Herausgegeben von Bundesamt für Energie (BFE), EnergieSchweiz
Veröffentlicht März 2026

