Novazzano: Kleine Gemeinde mit ambitionierten Zielen

Selbst eine kleine Gemeinde kann sich erfolgreich fürs Netto-Null-Ziel einsetzen. Das zeigt das Beispiel Novazzano. Die Ortschaft im Mendrisiotto hat das Energiestadt-Label «Gold» erhalten, dank jahrelangen Anstrengungen für mehr Energieeffizienz.

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Im Oktober 2025 gab die Gemeinde Novazzano bekannt, dass sie das Energiestadt-Label«Gold» erhalten habe. Sie gehört damit zu den gut hundert Schweizer Gemeinden mit dieser Auszeichnung. Für eine Gemeinde mit nur 2340 Einwohnerinnen und Einwohnern und einer entsprechend kleinen Verwaltung ist das keine Selbstverständlichkeit. Um das Prädikat «Gold» zu erhalten, muss eine Stadt mindestens 75 Prozent der möglichen Massnahmen zum Klimaschutz umsetzen. Novazzano punktete unter anderem mit der Aufwertung von öffentlichen Gebäuden: Das Gemeindehaus erhielt 2020 eine PV-Anlage und eine Wärmepumpe, der Kindergarten ist saniert und das Primarschulhaus soll bis 2026 so weit sein.

Minergie-zertifizierter Kindergarten

Besonders viel hat die Gemeinde in das Kindergartengebäude investiert. Eine PV-Anlage und eine Wärmepumpe liefern Energie. Neue Fenster, Türen und Isolationen verhindern, dass Wärme ungewollt entweicht. Die Luft wird automatisch erneuert und gereinigt. All dies hat dem Kindergarten die Minergie-Zertifizierung eingetragen.

Im Dienst der nationalen Klimapolitik

Die Anstrengungen rund um die Gebäude dienen aber nicht nur dem Energiestadt-Label, sondern einem höheren, nationalen Ziel. Novazzano möchte dazu beitragen, dass die Schweiz bis 2050klimaneutral wird. «Das Energiestadt-Label Gold ist für uns das Mittel dazu», sagt der Bauvorsteher der Gemeinde, Maurizio Gazzoli. Novazzano hat zudem beschlossen, seine Administration bis 2040 klimaneutral zu machen. Sie ist damit die erste Tessiner Gemeinde, welche die Klima- und Energie-Chartaunterzeichnete und sich damit zu Netto-Null auf dem gesamten Gemeindegebiet bekannte.

«Es ist wichtig, dass alle am gleichen Strick ziehen»

Für eine kleine Gemeinde wie Novazzano bedeutet ein Netto-Null-Ziel einen grossen gemeinsamen Effort. «Es ist wichtig, dass alle am gleichen Strick ziehen», sagt Maurizio Gazzoli. Er schätzt es besonders, dass sich die Gemeindeverwaltung und die politischen Parteien gemeinsam dafür engagiert haben. Das Ergebnis lässt sich sehen. Schritt für Schritt geht es voran: Das Primarschulhaus hat bereits ein neues Dach. Nun bekommt es eine Wärmepumpe, neue Fenster und eine neue Dämmung.

Fernwärme auch für Private

Novazzanos nächstes Ziel ist der Ausbau der Fernwärme. Die Gemeinde plant in der Industriezone ein Netz zum Heizen und Kühlen, das mit der Nachbargemeinde Balerna verbunden ist. Es soll nicht nur öffentliche Gebäude beheizen, sondern auch für privaten Firmen auf dem Industriegelände verfügbar sein.

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Netto-Null: Auch kleine Schritte zählen

Neben der Gebäudesanierung tragen auch kleine Schritte dazu bei, das Netto-Null-Ziel zu erreichen. So hat die Gemeindeverwaltung von Novazzano in den letzten Jahren folgendes angepasst:

  • 100% LED-Strassenbeleuchtung mit nächtlicher Lichtreduktion

  • Neue Beleuchtung in Gebäuden

  • Temperaturüberwachung in Gebäuden

  • Wechsel auf elektrisch betriebene Fahrzeuge und Geräte der Gemeindeverwaltung

Das Projekt im Überblick

Kosten und Finanzierung

Sanierung Kindergarten: 3,2 Mio. CHF Sanierung Primarschule: ca. 5 Mio. CHF

Zeitdauer

2012–heute

Involvierte Akteure

Gemeinde, Energieberatung, Planungsbüros

Interkommunale Zusammenarbeit

Velo- und Fussverkehrstag mit Stabio Fernwärmeprojekt mit Balerna und eventuell Chiasso

Erfolge

Zwischen 2012 und 2025 hat Novazzano die Treibhausgase der öffentlichen Gebäude reduziert:

+45% im Wärmebereich +11% im Strombereich

Im gleichen Zeitraum hat die Gemeinde den Anteil erneuerbarer Energie erhöht:

+49% im Wärmebereich +24% im Strombereich (zertifizierter Ökostrom)

Der Strom ist seit 2018 zu 100% erneuerbar und zu 35% ökozertifiziert.

Herausforderungen

Mit geringen personellen Ressourcen auskommen

das Interesse der Bevölkerung für ein Langzeitprojekt wachhalten

Nachhaltige Perspektive

Netto-Null bis 2040 für die Administration der Gemeinde

ein messbarer Beitrag zu nationalen Klimazielen

Tipps und Tricks

Das Monitoring des Energieverbrauchs und der Treibhausemissionen ist das A und O auf dem Weg zu Netto-Null. Es bildet die Basis für eine Situationsanalyse, und um Massnahmen zu definieren und zu priorisieren. Für eine kleine Gemeinde ist es besonders wichtig, den Rückhalt der politischen Parteien zu haben. Eine schrittweise Gebäudesanierung erlaubt es, das nötige Budget zu organisieren.

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