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Aarau – Partizipatives Budget für eine lebenswerte Stadt

Wie möchten die Aarauerinnen und Aarauer ihre Stadt gestalten? Aarau wollte es wissen. Die Stadt stellte ein Budget von 50'000 CHF bereit, mit dem die Bevölkerung gemeinnützige Ideen einbringen und umsetzen konnte. In einer Abstimmung wählte die Bevölkerung ihre Favoriten – vom Generationenprojekt bis zum Kino im Freibad.

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Milana Gersbach hatte einen Einfall, um das Stadtleben zu bereichern: Die damals 15-Jährige regte 2023 an, ein Sommerkino im Freibad Aarau einzurichten. Während die Besucherinnen und Besucher in der Aare schwimmen, sehen sie sich auf Grossleinwand Filme an.

50'000 Franken für mehr Eigeninitiative

Ihre Idee ist eine von 161, welche bei der Stadt im Rahmen des Pilotprojekts «Stadtidee» eingegangen sind. Um Eigeninitiative zu fördern, hatte Aarau die Bevölkerung aufgerufen, Vorschläge zu machen, um ihr Quartier lebenswerter zu gestalten. Dafür stellte sie ein partizipatives Budget von 50'000 Franken zur Verfügung. Alle, die in Aarau leben – egal ob stimmberechtigt oder nicht – konnten darüber abstimmen, welche Realität werden.

Mitmachen leicht gemacht

Die Bandbreite war gross – die Ideen in den Kategorien Gesundheit, Kultur, Soziales und vielen mehr reichten von der Zopf-Verteiltour über das Strassenfest bis zum Spielplatz für Erwachsene. Es genügte, online einen Titel, einige Stichworte und ein ungefähres Budget einzureichen, und schon war man dabei. In einem iterativen Prozess mit der Stadt entwickelten die Initiantinnen und Initianten ihre Ideen weiter. Eine Begleitgruppe der Stadt prüfte sie hinsichtlich Machbarkeit, gesetzlichen Vorgaben, Sicherheit und Kosten und gab sie zur Abstimmung frei.

Es ist schön, etwas zu schaffen, das auf ein Bedürfnis stösst.
Lea Good, Projektleiterin Stadtentwicklung

Doch keine Taucher

An der Sicherheit wäre Milanas Projekt beinahe gescheitert. «Das Filmeschauen während dem Baden hätte sogar Taucher gebraucht, um die Badegäste zu überwachen», sagt Lea Good, Projektleiterin Stadtentwicklung. Also überdachte Milana ihr Projekt. Gemeinsam mit dem Bademeister und Fachpersonen der Stadt entwickelte sie ein Sicherheitskonzept und entschied, das Kino nach Badeschluss anzubieten. Das funktionierte. Die Stadt gab ihr Projekt zur Abstimmung frei. Es wurde zusammen mit 17 weiteren gewählt, und zwar mit dem höchsten Budget von 10'000 Franken.

Teurer als gedacht

Lea Good und Jasmin Odermatt, Programmleiterin Smart City, begleiteten die Projektinitiantinnen und -initianten beim Umsetzen. Realisieren mussten diese ihr Vorhaben jedoch selbst. Das war vielen nicht bewusst und fiel auch nicht immer leicht. Das Projekt für öffentliche Velopumpen zum Beispiel wäre teurer geworden als gedacht. Zudem hätten die Projektverantwortlichen einen Grossteil der Arbeiten (Tiefbau) nicht selbst ausführen können. Sie entschieden sich deshalb, das gesprochene Geld zurückzugeben. Das Projekt ist dennoch nicht vom Tisch. Die Stadt will es als Pilot weiterverfolgen.

Mit Popcorn die Finanzen gerettet

Trotz hohem Budget erlebte auch Milana finanzielle Überraschungen. Sie hatte die Kosten für die Miete der Leinwand und der Filme nicht im Detail abgeklärt und dadurch unterschätzt. Doch sie fand eine gute Lösung, um ein Defizit zu vermeiden: Sie brachte ihre Popcornmaschine in die Badi und verkaufte Popcorn, selbstgebackene Kuchen und Getränke.

Machbare, nachhaltige Ideen sind das Ziel

Dass die Teilnehmenden die Kosten und das hohe persönliche Engagement, richtig einschätzen, zählt denn auch zu den Herausforderungen der «Stadtidee» – und zu den Learnings für die nächste Ausgabe 2027: «Wir werden den Initiantinnen und Initianten stärker bewusst machen, dass sie die Projektverantwortung tragen», sagt Lea Good. Sie und Jasmin Odermatt möchten zudem genauere Vorgaben für die Projekteingabe machen – mit dem Ziel, machbare, nachhaltige Ideen zu fördern und verwaltungsinterne Prozesse zu verbessern. Insgesamt sind die zwei Verantwortlichen mit dem Ergebnis des ersten partizipativen Budgets sehr zufrieden: «Es ist schön, etwas zu schaffen, das auf ein Bedürfnis stösst», sagt Lea Good, und denkt dabei an Boule in der Telli, die Littering-Massnahme «Raumpatenschaft» oder den öffentlichen Kräutergarten.

Das Projekt im Überblick

Kosten und Finanzierung

Insgesamt 105'000 CHF, finanziert durch die Stadt Aarau 50'000 CHF für die Ideenförderung 55'000 CHF für die Aufwände der Stadt (digitale Plattform, Kommunikation, externe Beratung, Events)

Zeitdauer

2023-2025

Involvierte Akteure

Stadt Aarau ETH Zürich Universität Fribourg Universität Leeds Nationales Forschungsprogramm «Digitale Transformation» (NFP 77)

Erfolge

1700 Personen stimmten über 33 Ideen ab 161 Ideen eingereicht 17 Ideen gewählt 9 Ideen umgesetzt bis 2024 Weitere 5 geplant bis Ende 2025

Herausforderungen

Die Fachpersonen der Stadt waren nicht immer informiert, dass sie von Teil-nehmenden angegangen werden.

Das Engagement mancher Initiantinnen und Initianten liess nach.

Mehrere Universitäten führten eine Studie zum partizipativen Budget durch. Der Forschungshintergrund war spannend, aber teilweise kompliziert und zeitaufwendig.

Nachhaltige Perspektive

Zahlt ein auf die Smart City Strategie Aarau

Tipps und Tricks

Klar kommunizieren, wer bei der Stadt für welches Projekt zuständig ist, und diese Personen ins Boot holen.

Den Teilnehmenden bewusst machen, dass sie die Idee selbst umsetzen müssen.

Darauf achten, dass Ideen über mehrere Jahre umsetzbar sind.

Eine detaillierte Budgetplanung einfordern.

Online-Abstimmung und analoge Projektbegleitung bewährten sich, auch für Seniorinnen und Senioren.

Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch zwischen den Projektteams schaffen.

Kontakt

Lea Good Projektleiterin Stadtentwicklung 062 836 02 88 stadtidee@aarau.ch

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