Das Smart City Lab Basel war fünf Jahre lang auf dem Areal «Wolf» beim Güterbahnhof zu Hause. Die Idee: Personen aus verschiedenen Fachgebieten zusammenbringen, um Innovation zu fördern. Die Erkenntnis: Gemeinsam Lösungen für komplexe Probleme zu suchen, lohnt sich. Dazu braucht es den Austausch vor Ort und eine positive Einstellung zum Thema Scheitern.

Die SBB hat auf dem Areal Wolf Basel in Basel grosse Pläne. Dort soll ein Quartier zum Wohnen und Arbeiten entstehen – eines, das beispielhaft ist für die nachhaltige Stadt der Zukunft. Damit das gelingt, stellte die SBB mit dem Kanton Basel-Stadt gemeinsam die Weichen. Die beiden Partner lancierten auf dem Areal Wolf 2019 das Smart City Lab Basel: Ein Ort, an dem verschiedenste Firmen zusammentrafen, um nachhaltige Lösungen für urbane Probleme zu entwickeln, zu testen und zu erleben – etwa für den Umgang mit dem Klimawandel oder dem Bevölkerungswachstum.
Die SBB versprach sich vom Smart City Lab Ideen für die Planung ihres neuen Quartiers. Der Kanton Basel-Stadt unterstützte das Projekt, um zu fördern, welche die komplexen Herausforderungen in der Stadtentwicklung adressieren und auf Nachhaltigkeit setzen: «Wir wollten vor Ort mit Pilotprojekten und interdisziplinärer Zusammenarbeit Lösungen für eine zukunftsfähige, nachhaltige und lebenswerte Stadt testen», sagt Barbara Alder, Leiterin der Fachstelle Grundlagen und Strategie der Kantons- und Stadtentwicklung.
60 kleine und grosse Firmen zogen ins Areal Wolf, um in den Bereichen Mobilität, Citylogistik, Energie und Gebäude an über 40 Projekten zu arbeiten. Diese hatten die SBB und die Kantons- und Stadtentwicklung zuvor geprüft und ausgewählt. Die Projektinitianten finanzierten ihre Projekte selbst. Die SBB stellten ihnen Räume zur Verfügung. Das Lab organisierte verschiedene Formate, damit sich die Menschen vor Ort vernetzen und über ihr Fachgebiet hinaus gemeinsam kreativ werden konnten. «Die Firmen sollten gemäss dem Smart-City-Ansatz interdisziplinär und ganzheitlich miteinander arbeiten», erklärt Barbara Alder.
Doch dann kam Corona dazwischen. Für ein Vorhaben, das vom Austausch vor Ort lebt, war das schwierig: «Corona war eine grosse Herausforderung», sagt Barbara Alder. Sie erachtet physische Treffen für Innovation langfristig als unabdingbar. Einen Raum dafür anzubieten, reiche jedoch nicht: «Die Vernetzungs-Anlässe müssen moderiert sein». Ihr Learning: Es lohnt sich, ein Thema zu entwickeln und dieses als Input-Referat zu präsentieren, begleitet von einem Apéro.
Sobald sich die Corona-Vorschriften lockerten, ging das Lab in die Offensive: Es bot Partner-Znünis, Partner-Days, Werkstattgespräche und Führungen an. Das brachte Schwung in die Sache. Es entstanden Initiativen wie die von upVolt. Das Start-up sucht Möglichkeiten, um Batterien wiederzuverwenden, etwa als Energiespeicher. Auf dem Areal Wolf verwirklichte das Jungunternehmen mit der Basler Polizei ein Digitalisierungsprojekt: Anstelle von Notizblöcken nutzen die Polizistinnen und Polizisten nun Tablets und mobile Ladegeräte aus alten Velobatterien. Ein weiteres Beispiel für eine Kooperation über Fachgebiete hinaus ist das Projekt von Breakout Basel und den Industriellen Werken Basel: Im Escape Room «Blackout» setzten sich Besucherinnen und Besucher spielerisch mit erneuerbaren Energien auseinander. Partnerfirmen vor Ort und zahlreiche weitere unterstützten das Projekt, etwa mit Maler- und Schreinerarbeiten.
Eine Erfolgsbilanz kann nicht jedes Projekt vorweisen, das im Smart City Lab entstand. Das findet Barbara Alder jedoch völlig in Ordnung: «Die Bereitschaft, zu akzeptieren, dass etwas nicht funktioniert, ist genau das, was wir in Zukunft brauchen.» Scheitern als Erfolgsprogramm? In gewisser Weise, ja, meint die Stadtentwicklerin: «Das Leben ist nicht planbar. Wir wissen nicht, was kommt, und müssen dennoch handlungsfähig bleiben.» Diese Erkenntnis nimmt sie mit aus der Smart-City-Lab-Erfahrung – und trägt sie hinein in neue Projekte für ein agiles und grünes Basel.
Kosten und Finanzierung | Für die Verwaltung fielen lediglich Kosten für personelle und zeitliche Ressourcen an. Die Firmen auf dem Areal finanzierten ihre Projekte selbst. Die SBB stellte das Areal zur Verfügung und prüfte zusammen mit dem Kanton die Machbarkeit der Vorschläge. |
Zeitdauer | 2019–2023 |
Involvierte Akteure | Kanton-Basel-Stadt (Stadtentwicklung) SBB (Immobilienentwicklung) 40 Partnerunternehmen |
Erfolge | Über 40 Projekte realisiert, in den Bereichen Gebäude, Mobilität, Citylogistik, Energie und Pioniernutzungen Es entstand eine Gemeinschaft aus Grosskonzernen, im Lab gegründeten Start-ups, Institutionen wie Wirtschaftsverbänden oder EVU, Hochschulen und Verwaltung. Sie fungierten als Finanzierer, Vernetzer, Entwickler oder potenzielle Kunden und Nutzer. |
Herausforderungen | Die Bewilligungspraxis: Obwohl das Smart City Lab nur für eine beschränkte Zeit existierte, waren für jedes Projekt die gesetzlichen Sicherheitsvorgaben einzuhalten, z. B. Brandschutztüren. Die Rollenverteilung zwischen Partnern und Trägerschaft muss klar geregelt sein. Viele Partner kannten die Zuständigkeiten der Trägerschaft zu wenig oder waren sich nicht sicher, was deren Rollen waren. Der periphere Standort des Smart City Labs: Es war wichtig, das Areal auch für Externe zu öffnen, etwa im Rahmen von Führungen, und seine Aktivitäten zu bewerben. |
Regionale Bedeutung | Das Smart City Lab Basel war das erste umfangreiche Testlabor der Schweiz. |
Nachhaltige Perspektive | Der Kanton Basel-Stadt förderte über das Smart City Lab innovative Ansätze u.a. im Klimabereich. Dies sollte dazu beitragen, das Ziel Netto-Null bis 2037 zu erreichen. |
Tipps und Tricks | Für ein Smart City Lab braucht es einen grösseren Partner, der ein geeignetes Areal zur Verfügung stellt. Die innovationsfördernden Smart-City-Grundgedanken sind aber auch auf andere Situationen übertragbar und in kleineren Verwaltungen möglich: – Über Fachgrenzen hinaus miteinander reden – Das eigene Denken öffnen und Feedback von aussen suchen, beispielsweise von externen und fachfremden Expertinnen und Experten – Einen Innovationsfonds gründen, etwa, um den Schritt von der Idee zur Projektumsetzung zu finanzieren |
Barbara Alder Leiterin Fachstelle Grundlagen und Strategien Kantons- und Stadtentwicklung Basel-Stadt Barbara.alder@bs.ch 061 267 88 96