Die Energie-Region Chablais Agglo lotet das industrieökologische Potenzial ihres Wirtschaftsgefüges aus, um die CO₂-Emissionen zu senken und die lokale Nachhaltigkeit zu stärken. Ein im Jahr 2024 lanciertes Projekt zielt darauf ab, durch industrieökologische Prozesse und die Zusammenarbeit von öffentlichen und privaten Akteuren ein Modell-Industriegebiet für konkrete kooperative Massnahmen der Kreislaufwirtschaft zu entwickeln.

Bei der Ausarbeitung des Projekts «Agglomeration 4. Generation» (AP4), das auch als interkommunaler Richtplan (iRP) dient, wurde eine räumliche Energieplanung durchgeführt. Diese zeigte ein interessantes Potenzial auf, insbesondere die Möglichkeit, zu 100 % lokal und nachhaltig Strom zu produzieren sowie die CO₂-Emissionen durch Fernwärme und Industrieökologie zu reduzieren. Die grössten Reduktionen sind im industriellen und handwerklichen Bereich möglich. Die Energie-Region Chablais Agglo möchte diesen Ansatz unterstützen und ihn durch andere Ressourcenströme, insbesondere einen industrieökologischen Prozess, diversifizieren.
Das Anfang 2024 lancierte Projekt «Industrieökologisches Potenzial des Wirtschaftsgefüges Chablais Agglo» wird die Prüfung des Potenzials und der Prioritäten ermöglichen, die in die Entwicklung eines Modell-Industriegebiets einfliessen sollen. «Dieses Projekt wird die Richtschnur für künftige Aktionen sein, um die im AP4/iRP festgelegten Ziele durch die Einsetzung industrieökologischer Prozesse zu konkretisieren. Aber auch durch die Einführung bewährter Praktiken und die Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Akteuren», erklärt die Leiterin des Projekts Chablais Agglo, Aurélie Fiorucci.
In einem ersten Schritt wurde das Potenzial industrieökologischer Massnahmen nach Sektoren (Baugewerbe, Metallurgie, Chemie, Verkehr und Logistik, Nahrungsmittel) ermittelt, die dann kartografiert wurden, um sie besser zugänglich und umsetzbar zu machen. Hierzu erfolgten eine Umfrage sowie fünf halbstrukturierte Gespräche mit wichtigen Wirtschaftsakteuren der Agglomeration Chablais, um die Stärken, Bedürfnisse, Chancen und Hindernisse für die Kreislaufwirtschaft zu ermitteln. «Notwendig sind vor allem die Stärkung der Unternehmenskultur rund um nachhaltige Entwicklung, die Verbesserung der internen und externen Kommunikation sowie die Mitarbeiterschulung zur besseren Berücksichtigung von Umweltthemen», so Aurélie Fiorucci. Erhebliche Hindernisse für die verschiedenen Industriesektoren sind aber auch komplexe und sich ständig verändernde regulatorische Auflagen, die Kosten für Innovation und die Integration nachhaltiger Lösungen, der fehlende Zugang zu umweltfreundlichen Ressourcen oder Technologien sowie die Notwendigkeit, Strategien anzupassen und neue Partnerschaften zu entwickeln.
Diese Initiative hat insbesondere die Beziehungen zwischen Gemeinden und Unternehmen gestärkt.
Im November 2024 fand eine partizipative Veranstaltung statt. Der Fokus der Veranstaltung lag auf Kreislaufwirtschaft und Industrieökologie. Ziel war es, öffentliche und private Akteure zusammenzubringen, um sie miteinander zu vernetzen und für die Thematik zu sensibilisieren. An den verschiedenen Workshops nahmen im November 2024 rund 30 Unternehmen aus den verschiedenen Bereichen der Studie sowie Vertreterinnen und Vertreter der Kantone Waadt und Wallis und der Gemeinden teil. In diesen Workshops konnten Ideen für Vorprojekte entwickelt werden, die den Bedürfnissen der einzelnen vertretenen Bereiche entsprechen. Es wurden konkrete Beispiele bewährter Praktiken sowie Möglichkeiten der technischen und finanziellen Unterstützung von Gemeinden und Kantonen aufgezeigt. «Diese Initiative hat insbesondere die Beziehungen zwischen Gemeinden und Unternehmen gestärkt, um konkrete Projekte auszuarbeiten und Synergien zwischen den Unternehmen zu schaffen», erklärt Aurélie Fiorucci. Letztlich geht es darum, Prioritäten zu setzen und durch die Einrichtung von Arbeitsgruppen konkrete industrieökologische Massnahmen einzuleiten. Ziel ist dabei stets, die Energieeffizienz durch Verringerung des Bedarfs und der Ressourcen zu steigern.
Kosten und Finanzierung | Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf CHF 130'000. |
Zeitdauer | 1.1.2024 bis 31.12.2025 |
Involvierte Akteure | Das Projekt wird von Chablais Agglo (zugehörige Gemeinden: Aigle, Ollon, Bex, Lavey-Morcles, Saint-Maurice, Massongex, Monthey, Collombey-Muraz) geleitet. Die Fachgruppe umfasst die Fachstellen für Energie und nachhaltige Entwicklung der Agglomerationsgemeinden und Satom. |
Erfolge | In der ersten Projektphase wurde das Potenzial industrieökologischer Massnahmen nach Sektoren (Baugewerbe, Metallurgie, Chemie, Verkehr und Logistik, Nahrungsmittel) ermittelt, die dann kartografiert wurden, um sie besser zugänglich und umsetzbar zu machen. Bei einer Veranstaltung im November 2024 wurden die Verbindungen zwischen den Gemeinden und den anwesenden Unternehmen aus den betroffenen Sektoren sowie zwischen Vertretern des Kantons und der Gemeinden gestärkt. Dabei wurden auch konkrete Projekte ausgearbeitet. Stärkung der Verbindungen zwischen lokalen Akteuren (Unternehmen, Partner, Gemeinden), der Agglomeration und der Region. |
Herausforderungen | Wesentlich wird sein, mit der Industrie konkrete Empfehlungen und Projekte zu erarbeiten, um Ideen in die Tat umzusetzen. |
Nachhaltige Perspektive | Das Projekt lotet das industrieökologische Potenzial seines Wirtschaftsgefüges aus, um CO2-Emissionen zu reduzieren und die lokale Nachhaltigkeit zu stärken. |
Chablais Agglo Aurélie Fiorucci aurelie.fiorucci@chablais.ch +41 24 466 64 33
