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Unter dem Titel «Vivai diffusi» begrünt Chiasso die heissesten Plätze im Stadtzentrum mit Bäumen in Töpfen. Ziel ist es, die Bevölkerung für die Wichtigkeit von Stadtgrün zu sensibilisieren.
Stadtbäume senken an Hitze-Tagen die Temperatur, erfreuen das Auge und laden zu einem Schwatz im Schatten ein. Lauter Vorteile also – und dennoch haben Bäume in urbanen Räumen einen schweren Stand. Über der Erde stehen sie in Konkurrenz mit Verkehrswegen, unter der Erde mit Leitungen.
In Chiasso ist das nicht anders.
Bäume finden alle wichtig, aber wenn sie dann da sind, stören sie, weil sie Platz beanspruchen und Blätter verlieren.
Chiasso setzt auf einen pragmatischen Ansatz: Anstatt Bäume in die Erde zu setzen, stellt die Gemeinde sie in erdgefüllten Beton-Ringen an den heissesten Plätzen im Zentrum auf. Am Bahnhof, beim Zoll und im Museums-Quartier spenden die mobilen Bäume Schatten. Das Projekt nennt sich «Vivai diffusi», auf Deutsch etwa «sich ausbreitende Baumschulen».
Die Gemeinde nutzt vorgefertigte Beton-Röhren, die sich bereits im Besitz der städtischen Dienststellen befinden. So bleibt das Projekt kostengünstig und ressourceneffizient. Für jeden Standort wählte das Projektteam Baumarten aus, die hohen Temperaturen widerstehen und die Biodiversität fördern.
Die Reaktionen auf die temporären Installationen waren zu Beginn unterschiedlich. «Das Projekt hat Neugierde ausgelöst, doch nicht alle haben es auf Anhieb verstanden», sagt Cereghetti. Das änderte sich nach einigen Medien-Berichten und Führungen im Rahmen des schweizweiten «Festivals der Natur».
Die Menschen nahmen den neuen Grünraum an. Sie setzten sich zum Ausruhen und Plaudern auf die bereitgestellten Bänke. «Die Botschaft ist angekommen», meint der Projekt-Verantwortliche.
Ziel war es, die Bevölkerung für das Stadtgrün und seine positive Wirkung zu sensibilisieren – selbst wenn Privatpersonen zu einer grünen Stadt wenig beitragen können. Zumindest vorläufig. Mit einer Revision des Zonenplans will Chiasso auch Privatpersonen Möglichkeiten geben, ihren Garten klimawirksam zu bepflanzen.
Die Stadt selbst weiss dank einer Studie zu Hitze-Inseln, wo sie den Hebel ansetzen muss. Basierend auf ihrem Masterplan will sie nun Projekte lancieren, um Strassen und Plätze dauerhaft zu begrünen. Denn die Vorteile von Stadtbäumen sind messbar:
Ein einzelner Baum absorbiert bis zu 150 kg CO₂ pro Jahr
Baumkronen senken die Temperatur um 2 bis 8 °C
Bäume in Gebäude-Nähe reduzieren den Heiz-Energiebedarf um 20 bis 50 %
Weil es den Bäumen im Betonring auf die Dauer zu trocken wird, pflanzt die Gemeinde sie nach einer Saison an ihrem endgültigen Standort ein. Zum Beispiel an der Einkaufsstrasse Corso San Gottardo – sie bietet mit ihrer Breite genügend Platz für Stadtgrün.
Die Betonringe bleiben, wo sie sind. Dort laden bald wieder neue temporäre Stadtbäume zum Staunen und Pause-Machen ein.
Kosten und Finanzierung | Rund 33'000 CHF für 26 Bäume, finanziert von der Gemeinde Chiasso |
Zeitdauer | April 2023 bis ca. 2027 |
Involvierte Akteure | Gemeinde Chiasso Projektteam rund um die Architektin und Initiantin von «Vivai diffusi» Felicia Lamanuzzi Festival der Natur |
Erfolge | Vier Flächen im Stadtzentrum temporär begrünt und neugestaltet. Bevölkerung für die Bedeutung von Stadtgrün sensibilisiert. |
Herausforderungen | Kurzfristig: Geeignete Plätze für die Bäume finden, wo sie den Verkehr nicht stören Langfristig: Überführung in eine dauerhafte Begrünung. |
Regionale Bedeutung | Das Konzept lässt sich einfach auf andere Gemeinden übertragen. Ähnliche Ansätze gibt es bereits in Mendrisio und Vezia. |
Nachhaltige Perspektive | Positive Wirkung auf die Lebens- und Aufenthalts-Qualität, die Biodiversität, das Klima und das Zusammenleben im öffentlichen Raum |
Tipps und Tricks | Sämtliche Stakeholder involvieren, die vom Projekt tangiert sind. Zum Beispiel auch die Polizei bezüglich Video-Überwachung – die Bäume dürfen den Kameras die «Sicht» nicht versperren. |
Webseite «Vivai Diffusi»
Medienmitteilung der Stadt Chiasso
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