EnergieSchweiz

Basel-Stadt – Parcandi: dynamische Parkraumbewirtschaftung der Parkflächen im Quartier

In Quartieren fehlt es oft an verfügbaren Parkplätzen, obwohl in privaten Einstellhallen oder Firmengebäuden freie Stellflächen vorhanden sind. Dies verursacht unnötigen Suchverkehr im Quartier und verbraucht unnötig öffentlichen Raum. Das Start-up Parcandi AG optimiert mit seinem innovativen digitalen Parkraummanagementsystem bestehende private Parkplätze und macht sie stunden-, tage- oder monatsweise mietbar.

image

Der Kanton Basel-Stadt verankerte in seiner Mobilitätsstrategie das Ziel, sowohl den Flächenverbrauch des Verkehrs als auch den Parkplatzsuchverkehr in den Quartieren zu reduzieren. Dazu möchte der Kanton das Parken im Quartier und die Mehrfachnutzung von privaten Parkplätzen fördern.

Das Start-up Parcandi AG pilotierte zusammen mit dem Amt für Mobilität des Kantons Basel-Stadt von August 2022 bis Juni 2024 in Basel eine dynamische Parkplatz-Poollösung. Das Pilotprojekt wird durch eine Begleitstudie der Fachhochschule Nordwestschweiz wissenschaftlich begleitet, um die Auswirkungen des neuen Angebots auf die Verkehrsflüsse im Quartier und das Mobilitätsverhalten der Benutzenden zu verstehen.

Mehr Nutzung auf gleichem Raum

«Ganz im Sinne der Sharing Economy wollen wir mit unserer Webapplikation Parcandi Eigentum entkoppeln und vorhandene Ressourcen gemeinsam nutzbar machen. Konkret stellen wir freie Parkplätze in sicherer Umgebung zur Verfügung, die sonst nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Autofahrerinnen und Autofahrer müssen nicht mehr nach einem Parkplatz suchen, was Zeit spart und den Suchverkehr auf ein Minimum reduziert. Gleichzeitig haben Immobilienverwaltungen und Vermieterinnen und Vermieter weniger Leerstandskosten in ihren Liegenschaften, da ihre Parkplätze besser ausgelastet sind», erklärt Corsin Sulser, CEO von Parcandi. Somit bietet das gemeinsame Nutzen der Parkplätze gleich mehrere Vorteile: weniger Leerstände, mehr verfügbare Parkplätze und nur geringer Bedarf an neuen Parkplätzen.

Alles über eine Web-Applikation

Mit der dynamischen digitalen Web-Applikation Parcandi sehen Autofahrende in Echt-zeit, wo freie Parkplätze verfügbar sind. Der benutzerfreundliche digitale Prozess umfasst alles von der Reservierung über die Zugangskontrolle bis hin zur Bezahlung und Abrechnung des Parkraums, sei es für eine Stunde, einen Tag oder einen Monat. Dies gilt sowohl für klassische Parkplätze als auch für Parkplätze mit Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge.

Die Web-Applikation bietet noch einen weiteren Vorteil, wie Corsin Sulser betont: «Dank der obligatorischen Angabe von Kontrollschild, verifizierter Telefonnummer und E-Mail sorgen wir für höchste Sicherheit».

Die Erfolge sprechen für sich

Am Pilotstandort Lautengartenstrasse in Basel konnte die Anzahl Parkplätze während der Pilotphase von August 2022 bis Juni 2024 von 20 auf 65 erhöht werden. Diese wurden rund 30’000 Mal von fast 5'900 verschiedenen Personen reserviert. Das angestrebte Ziel die Auslastung der Parkplätze um 40 % zu steigern, wurde erreicht. Dadurch konnten Parkplatzbesitzende 35 % mehr Einnahmen erzielen. Auch qualitativ konnte Parcandi überzeugen: Während der Pilotphase erhielt Parcandi insgesamt 602 Google-Bewertungen mit einem Durchschnitt von 4,4 von fünf Sternen.

Die vom Kanton Basel-Stadt finanzierte Begleitstudie liefert wichtige Erkenntnisse und Einblicke in die verkehrlichen Wirkungen von Quartierparkings. Die Studie zeigt, dass Mehrverkehr entsteht, weil das Parkieren durch Parcandi komfortabler und damit das Autofahren wieder attraktiver wird. Die einzelnen Wege werden jedoch kürzer, da der Suchverkehr entfällt, was den Anwohnenden zugutekommt. Somit können Quartier-sparkhäuser ein wichtiger Baustein sein, um bestehende Parkflächen vom öffentlichen in den privaten Raum zu verlagern. Der Pilotversuch hat auch aufgezeigt, dass vor allem nachts weiteres Potenzial besteht, private Parkfelder besser zu nutzen. Städte und Gemeinden haben damit die Möglichkeit zum Rückbau und zur Umnutzung bestehender Parkflächen für vielfältige Nutzungen wie zum Beispiel Velowege, öffentlichen Verkehr, Begrünung usw.

Weiterer Ausbau des Angebots

Das im Juli 2021 gegründete Start-up Parcandi zählt heute 49'000 Kundinnen und Kunden. Es bietet schweizweit Parkplätze in 20 Städten, die bereits rund 220'000 Mal gebucht wurden. Jährlich kommen sowohl mehr Parkraum wie auch neue Nutzende dazu. Neben der Schweiz und Deutschland ist eine weitere Expansion ins benachbarte Ausland geplant.

Das Projekt im Überblick

Kosten und Finanzierung

Gesamtkosten: CHF 605’700 KOMO Beitrag: CHF 242’280 Kanton Basel-Stadt: Finanzierung Begleitstudie

Zeitdauer

August 2022 – Juni 2024

Involvierte Akteure

Projektleiter: Parcandi AG Projektpartner: Amt für Mobilität des Kantons Basel-Stadt, Prine GmbH, Etavis, Baloise Asset Management, Fachbereich Verkehr und Mobilität der Fachhochschule Nordwestschweiz

Erfolge

40 % mehr Parkmöglichkeiten für Nutzende. Einfacher Zugang und Nutzung von Park- und Ladeplätzen durch Information über Verfügbarkeit.

35 % mehr Einnahmen für Parkplatzbesitzende dank dynamischem Parkplatzmanagement. Zusätzliche Rendite durch das Laden von Elektrofahrzeugen.

40 % weniger CO2 Emissionen dank intensiverer Nutzung von bestehenden Anlagen, Reduzierung des Suchverkehrs und des Flächenverbrauchs sowie mehr Möglichkeiten an Ladeinfrastruktur mit nachhaltigem Strom.

Herausforderungen

Juristische Herausforderungen: Mietvertrag im Abo hat eine Vielzahl an Fragen aufgeworfen.

Technische Hürden: E-Charging Anbindung, Kennzeichenerkennung, Direktbuchungen ohne Reservation

Nachhaltige Perspektive

Intensivere Nutzung der Parkplätze durch dynamisches digitales Parkraummanagement Parcandi.

Reduzierung des Suchverkehrs im Quartier.

Weniger Verbrauch öffentlicher Flächen für den Verkehr.

Grösseres Angebot an Parkplätzen mit Ladeinfrastruktur

Kontakt

Corsin Sulser CEO Parcandi corsin@parcandi.ch +41 61 512 45 05

Energieeffizienz

Sprachen
Socialmedia
bundesbanner de