Im Rahmen des Projekts der Energie-Region Grand Chasseral wird das Potenzial gärfähiger Vorkommen für die Produktion von Biogas aus lokalen landwirtschaftlichen Ressourcen ausgelotet. Die ersten Ergebnisse belegen ein solides Potenzial, eine verstärkte regionale Zusammenarbeit und den echten Willen, erneuerbare und kreislauforientierte Energie voranzubringen.

Im Berner Jura ist Viehdung aus dynamischer Milchwirtschaft eine noch wenig genutzte Ressource. Mist, Gülle, Käsereirückstände, Grünabfälle oder Klärschlamm könnten jedoch lokale Biogasanlagen speisen. «Das Potenzial ist vorhanden, und die Methanisierung von Hofdünger (Mist und Gülle) würde nicht nur die Methanemissionen in die Atmosphäre reduzieren, sondern auch diese Ressource durch die Strom- und Wärmeerzeugung aufwerten. Gleichzeitig würden die Gärrückstände weniger Gerüche entwickeln und wären vom Boden besser aufnehmbar», erklärt David Vieille, Projektleiter bei der Energieberatungsstelle des Berner Jura.
Ziel ist es, die Menge, den Energiewert und die Verfügbarkeit der gärfähigen Vorkommen in der Region zu bewerten und anschliessend eine Verwertung in Form von Biogas und Gärrückständen in Betracht zu ziehen.
Das Anfang 2024 gestartete und Ende 2025 abgeschlossene Projekt umfasst drei Schwerpunkte:
1. Einrichtung eines regionalen Dialogs zwischen Landwirten, regionalen Institutionen und Partnern wie Ökostrom Schweiz, der Landwirtschaftskammer des Berner Jura oder der Fondation Rurale Interjurassienne und Entwicklung von Synergien.
2. Bewertung der verfügbaren Materialmengen und ihrer Energieeffizienz, basierend auf der Anzahl Grossvieheinheiten (GVE) pro Gemeinde.
3. Identifizierung der Träger von Projekten, Schaffung von mehr Möglichkeiten für Methanisierung und Kommunikation der Finanzierungsmöglichkeiten, die der gesetzliche Rahmen bietet.
«Obwohl einige noch im Ideenstadium sind, gibt es in der Tat eine ganze Reihe von Projekten, darunter Mikrobiogas, die Molkeverwertung einer Käserei, innovative Systeme etc. Es wäre schade gewesen, diese nicht in den Vordergrund zu rücken», betont David Vieille.
Zwischen Landwirten, regionalen Einrichtungen und technischen Partnern fand ein Erfahrungsaustausch statt. «Wir machen in der Praxis ein Interesse aus. Einige Landwirte erkennen alle Vorteile der Methanisierung: Energieunabhängigkeit, Verringerung ihres CO2-Fussabdrucks, Lösung von Problemen bei der Lagerung von Hofdünger etc.», freut sich David Vieille.
Auch bei einem Energie- und Klimatalk des Kantons Bern in Saint-Imier stand Biogas im Rampenlicht, was die wachsende Beachtung dieses Themas in der Region unterstreicht.
Eine Kartierung der landwirtschaftlichen Betriebe zeigte die Zonen auf, in denen eine gemeinsame Behandlung von Hofdünger sinnvoll wäre.
Zwar haben Investitionskosten und Unsicherheiten im Bereich Fördermittel 2024 einige Projekte gebremst, aber der Trend ist positiv. Die obligatorische Abdeckung von Güllegruben ab 2030 und das zwingende Ausbringen mit Schleppschlauch seit 2024 eröffnen technische und regulatorische Chancen für die Methanisierung.
Das Projekt verkörpert jenseits der Zahlen eine Vision: eine lokal erzeugte Energie mit kurzen Kreisläufen, die der Umwelt und der regionalen Wirtschaft zugutekommt. «Wir wollen aufzeigen, dass eine Methanisierung im kleinen Massstab, die im ländlichen Gefüge verankert ist, gleichzeitig rentabel, ökologisch und verbindend sein kann. Das Berner Jura bringt alle Voraussetzungen mit sich, um in diesem Bereich zur Vorzeigeregion zu werden», so David Vieille abschliessend.
Kosten und Finanzierung | Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf rund CHF 40'000. Förderbeitrag von EnergieSchweiz für Gemeinden von CHF 16'000 |
Zeitdauer | Anfang 2024 bis Ende 2025 |
Involvierte Akteurinnen und Akteure | Die Gemeinden des Verwaltungskreises Berner Jura mit Ausnahme von Moutier |
Interkommunale Zusammenarbeit | Die Energie-Region Grand Chasseral besteht aus 39 Gemeinden. |
Erfolge | Bis Ende Oktober 2025 wurden folgende Erfolge erzielt: Ermittlung mehrerer Projektträger Dialog unter beteiligten Akteuren und Förderung regionaler Projekte Erfassung der Daten zu Grossvieheinheiten (GVE) für 33 von 39 Gemeinden |
Herausforderungen | Die erste Projektphase weist per Ende Oktober 2025 folgende Herausforderungen auf: Projekte können aufgrund hoher Investitionskosten und raumplanungsbedingter Auflagen nur schwer vorangebracht werden. Die Bewertung mit den neu zur Verfügung stehenden Mitteln erscheint zumindest für einen Betrieb vielversprechend (inzwischen ausgesetzt, gleichwohl aus anderen Gründen), braucht aber Zeit. |
Nachhaltige Perspektive | Bewertung der Menge, des Energiewerts und der Verfügbarkeit der gärfähigen Vorkommen in der Region, mit anschliessender Auslotung der Verwertung in Form von Biogas und Gärrückständen. Gleichzeitig würde dies die Methanemissionen in die Atmosphäre senken. Ziel ist es, Hofdünger in Form von Biogas aufzuwerten, um mittels Kraft-Wärme-Kopplung Strom und Wärme zu erzeugen. |
David Vieille
Projektleiter – Energie
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