Aesch plant ein innovatives Multi-Energie-System auf einem grossen Areal. Um die verschiedenen Anspruchsgruppen zum Handeln zu motivieren, prüft die Gemeinde verhaltenswissenschaftliche Ansätze und lotet deren Wirkungsfelder aus – von der erweiterten lokalen Energiegemeinschaft (LEG+) bis zur Heizungssanierung.

Die Gemeinde Aesch mit rund 11’000 Einwohnenden im Kanton Basel-Landschaft plant auf dem Areal Neumatt/Löhrenacker ein Multi-Energie-System. Das Areal mit Schul-, Sport- und Wohnzonen dient als Grundlage für ein sektorübergreifendes Pilotprojekt. Damit möchte die Gemeinde aufzeigen, wie aus einer Kombination von Technologien neue, innovative Energiesysteme entstehen können.
Gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern aus dem Bildungsbereich und der Energiebranche prüft Aesch mithilfe verhaltenswissenschaftlicher Ansätze, wie sich neue technische Möglichkeiten wirkungsvoll mit dem konkreten Handeln der Betroffenen verknüpfen lassen. Diese reichen von einer erweiterten lokalen Energiegemeinschaft (LEG+) bis zur Heizungssanierung.
Im Rahmen des Front Runner Programms von EnergieSchweiz untersucht Aesch, wie Anspruchsgruppen mit verhaltenswissenschaftlichen Ansätzen zum Handeln motiviert werden können – etwa durch persönliche Ansprachen, Entscheidungshilfen oder gemeinschaftliche Zusammenschlüsse. Die drei Projekte (siehe weiter unten) sind eng aufeinander abgestimmt und tragen massgeblich zur Zielerreichung der kommunalen Energiestrategie bei. Sie adressieren deren vier zentrale Schwerpunkte:
Energieeffizienz
Erneuerbare Wärme
Erneuerbarer Strom
Mobilität
Bestehende Hemmnisse bei der Umsetzung der Strategie werden abgebaut. Der Umstieg auf erneuerbare Energien und die Steigerung der Effizienz werden gezielt und bereichsübergreifend angegangen.
Die Zielgruppen umfassen damit die zentralen Akteure der kommunalen Energiestrategie: Haushalte, Gebäudeeigentümerinnen- und Eigentümer, Unternehmen, Gemeindeverwaltung sowie die lokale Politik.
Gemeinden wie Aesch können dank einem innovativen Vorgehen und ihrer Nähe zur Bevölkerung wirksame Massnahmen zur Stärkung ihrer Energiestrategie umsetzen. Der gezielte Einbezug verhaltenswissenschaftlicher Ansätze, die Einrichtung eines Reallabors sowie ein partizipatives Vorgehen unter aktiver Mitwirkung der Bevölkerung ermöglichen praxisnahe Erkenntnisse, die auch für vergleichbare Gemeinden anwendbar sind.
Wir verknüpfen Wärme, Speicher und Mobilität auf intelligente Weise.
Aesch plant, die Perspektiven der Bevölkerung zum geplanten Multi-Energie-System zu erheben und zu analysieren. Das Projektteam möchte dafür verschiedene Interessengruppen zu ihren Bedürfnissen, Beteiligungswünschen und Bedenken befragen und daraus konkrete Anwendungsfälle erstellen. Dabei sollen sowohl vertiefte Interviews und Gespräche in Fokusgruppen als auch Online-Umfragen zum Einsatz kommen. Im nächsten Schritt will die Gemeinde die Energieflüsse, Energiesparpotenziale und Systemkomponenten des Multi-Energie-Systems über eine Web-App visualisieren. So gewinnt die Bevölkerung ein klares Verständnis des geplanten Projekts und dessen positiven Auswirkungen. Die Erkenntnisse aus Befragung und Visualisierung dienen als Basis, um im Anschluss Handlungsempfehlungen für Politik, Wirtschaft und Kommunikation abzuleiten.
Das zweite Umsetzungsprojekt befasst sich damit, ein Konzept für sogenannte LEG+ zu entwickeln: lokale Energiegemeinschaften, die Strom-, Wärme- und Mobilitätslösungen sektorenübergreifend kombinieren. Denn: Klassische Eigenverbrauchsmodelle wie ZEVs oder LEG konzentrieren sich nur auf Strom und denken erneuerbare Wärmeversorgung und nachhaltige Mobilität nicht mit. Das Projekt möchte ausgewählte Quartiere dazu animieren, neben PV-Anlagen auch lokale Wärmenetze mit Wärmepumpen und Lade- und Sharing-Infrastrukturen gemeinsam aufzubauen und zu nutzen. Das spart Geld und Energie. Dafür prüft Aesch die generelle Machbarkeit, analysiert geeignete digitale Lösungen und wertet die Erkenntnisse systematisch aus. Ein mit den Mitgliedern der LEG+ partizipativ erarbeitetes Regelwerk soll zudem für soziale Verbindlichkeit und klare Verantwortlichkeiten sorgen.
In Aesch laufen noch 75 % der Heizsysteme in Gebäuden mit fossilen Energien. Das dritte Umsetzungsprojekt soll dies ändern: Es identifiziert psychologische Barrieren, die Hauseigentümerinnen und -eigentümer daran hindern, ihre Immobilien energetisch zu sanieren. Ein Beispiel hierfür ist der Status-quo-Bias: Menschen tendieren dazu, Veränderungen zu vermeiden, selbst wenn sie von diesen Veränderungen profitieren würden. Das Projektteam entwickelt einen konkreten Begleitprozess, der diese psychologischen Barrieren gezielt adressiert – von der persönlichen Ansprache über die Informationsvermittlung bis zur Erstellung individueller Sanierungskonzepte. Am Ende steht ein modularer Leistungskatalog bereit, der druckfertige Vorlagen, Leitfäden und dokumentierte Erfahrungswerte enthält. Damit will Aesch Eigentümerinnen und Eigentümer aktiv zu Sanierungen motivieren.
Die bisherigen Front-Runner-Gemeinden geben ihre wichtigsten Erkenntnisse weiter.
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