Die energieregionGOMS entwickelte 2024 einen umfassenden Masterplan zur koordinierten Planung und zum Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos. Ziel war eine flächendeckende, bedarfsgerechte und nachhaltige Versorgung mit öffentlich zugänglichen Ladestationen, welche die Elektromobilität stärkt und gleichzeitig einen Beitrag zur Energiewende im Oberwallis leistet.

In der gesamten energieregionGOMS bestanden bereits mehrere öffentliche Ladestationen, welche jedoch isoliert von Energieversorgungsunternehmen, Betrieben oder Privatpersonen betrieben wurden. Eine übergeordnete Koordination und strategische Planung fehlten. Das Projekt zielte darauf ab, diese Lücke zu schliessen und eine gemeinsame Strategie für den künftigen Ausbau zu schaffen.
Der Masterplan Ladeinfrastruktur Elektromobilität sollte:
den aktuellen Stand der öffentlichen Ladeinfrastruktur erfassen,
den zukünftigen Bedarf an Ladepunkten bestimmen,
geeignete Standorte und Technologien definieren,
Handlungsempfehlungen formulieren und
die lokale Zusammenarbeit stärken.
Das Projektteam der energieregionGOMS – in Zusammenarbeit mit den Energieversorgungsunternehmen endigo, EnBAG, EWO, EnAlpin und mit EBP Schweiz AG führte das Projekt in mehreren Arbeitsschritten durch:
Bestandsanalyse: Alle bestehenden öffentlichen Ladestationen wurden erfasst und ihre Nutzung analysiert.
Bedarfsumfrage: Die ausserordentlich hohe Rücklaufquote von 85 % bei der Stakeholder-Umfrage belegte das grosse Interesse von Gemeinden, Tourismusbetrieben, Hotellerie und Gewerbe an einer koordinierten, regionalen Bearbeitung.
Standortanalyse: Auf Basis der Umfrageergebnisse wurden geeignete Standorte für neue Ladepunkte identifiziert. Dabei wurden Verkehrsströme, touristische Bedeutung und Netzanschlussbedingungen berücksichtigt.
Handlungsempfehlungen: Aus der Analyse entstand ein Leitfaden für den weiteren Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur, mit klaren Verantwortlichkeiten und Prioritäten.
Informations- und Sensibilisierungsmassnahmen: In Workshops und Präsentationen wurden die Ergebnisse vorgestellt und mit Gemeinden, Tourismusorganisationen und Energieversorgungsunternehmen diskutiert.
Der Masterplan definiert auch eine interkommunale Kostenaufteilung: Die Gemeinden tragen künftig die Infrastrukturkosten (z. B. Netzanschluss und Tiefbau), während der Betrieb und die Bewirtschaftung der Ladeinfrastruktur bei den EVUs liegen. Diese Lösung gewährleistet Wirtschaftlichkeit und Planungssicherheit.
Der erarbeitete Masterplan wurde von Gemeinden, Tourismus und EVUs einstimmig begrüsst. Er liefert für jede Gemeinde eine klare Übersicht über den bestehenden und künftigen Ladebedarf sowie eine priorisierte Umsetzungsempfehlung.
Seit der Veröffentlichung im Dezember 2024 hat sich die Zusammenarbeit der regionalen Energieversorgungsunternehmen intensiviert: Die Unternehmen EnBAG, endigo und EWO und EnAlpin prüfen gemeinsam mit der Plattform eCarUp / Smart-meeine einheitliche Backend-Lösung für das gesamte Oberwallis. Dies wäre ein bedeutender Schritt zu einem interoperablen, benutzerfreundlichen Ladesystem mit Vorbildcharakter über die Region hinaus.
Die Studie identifizierte mehrere zentrale Herausforderungen, für die wirksame Lösungsansätze entwickelt werden konnten: Die anfänglich zögerliche Datenbereitstellung seitens privater Betreiber unterstrich die Notwendigkeit eines vertrauensvollen Dialogs. Durch klare Kommunikation der gemeinsamen Vorteile konnte eine vollständigere Datengrundlage für die Analyse geschaffen werden.
Während inhomogene Backend-Systeme eine Herausforderung darstellten, wurde die Standardisierung als zentraler Schlüssel für die Akzeptanz der Elektromobilität in der Zukunft identifiziert. Die grösste Hürde – die hohe Kapitalbindung für Ladestrom-Anbieter – wurde durch ein innovatives Finanzierungsmodell adressiert: Gemeinden sollen die netzseitigen Anschlussarbeiten übernehmen und entlasten so die EVUs von langfristigen Investitionsrisiken in einer technologisch dynamischen Marktphase. Verkehrsplanerische Fragen zu Strömen und Zonen wurden durch gezielten Fachbeistand von EBP erfolgreich geklärt.
Entwicklung eines regional abgestimmten Masterplans für Ladeinfrastruktur
Rücklaufquote von 85 % bei der Umfrage, was das hohe Interesse belegt
Positive Resonanz von Gemeinden, EVUs und Tourismusorganisationen
Zögerliche Datenfreigabe durch private Betreiber
Unterschiedliche Backend-Systeme erschweren eine gemeinsame Lösung
Hohe Investitionskosten bei kurzen Amortisationszeiten
Diese Erkenntnisse verdeutlichen, dass eine enge Abstimmung zwischen Gemeinden, EVUs und Tourismus entscheidend bleibt, um Ladeinfrastruktur nachhaltig betreiben zu können.
Die energieregionGOMS wird den Masterplan jährlich überprüfen und weiterentwickeln. Zudem soll die Zusammenarbeit der Oberwalliser EVUs zur Einführung eines einheitlichen Backend-Systems weiter vorangetrieben werden. Langfristig zielt die Region darauf ab, ein integriertes Mobilitäts- und Energiesystem zu schaffen, das Stromerzeugung, Speicher und Mobilität intelligent vernetzt.
Kosten und Finanzierung | Die Gemeinden und Energieversorgungsunternehmen (EVU) beteiligen sich anteilig an den Projektkosten. Die Höhe der Beteiligung bemisst sich für die Gemeinden nach ihrer Einwohnerzahl und für die EVU nach der von ihnen gelieferten Energiemenge. |
Zeitdauer | Januar 2024 – August 2025 |
Involvierte Akteure | energieregionGOMS, lokale EVUs (endigo, EnBAG, EWO, EnAlpin), EBP, Gemeinden, Tourismusorganisationen, Gewerbe |
Interkommunale Zusammenarbeit | Enge Abstimmung zwischen Gemeinden und EVUs; Austausch und Koordination im gesamten Oberwallis |
Erfolge | Abgestimmter Masterplan, hohe Beteiligung, nationale Anerkennung, verstärkte Kooperation der EVUs |
Herausforderungen | Datenzugang privater Betreiber, inhomogene Backend-Systeme, wirtschaftliche Tragbarkeit |
Regionale Bedeutung | Strategisches Leuchtturmprojekt zur Förderung der Elektromobilität im Oberwallis |
Nachhaltige Perspektive | Beitrag zur CO₂-Reduktion, Aufbau einer zukunftsfähigen Ladeinfrastruktur, Stärkung der regionalen Zusammenarbeit und Mobilität |
energieregionGOMS Stefan Brantschen Leiter Geschäftsstelle stefan.brantschen@energieregiongoms.ch 027 527 04 22
