EnergieSchweiz

Wil Vorreiter bei nachhaltiger Mobilität: über 20 Ideen im Test

Wie lässt sich die Mobilität in einer Kleinstadt klimaverträglicher, raum- und ressourcenschonender gestalten? Wil (24'000 Einwohnerinnen und Einwohner) entwickelt dazu Ideen, testet und verbessert. EnergieSchweiz unterstützt die Stadt im Rahmen des Programms «Modelle nachhaltiger Mobilität (MONAMO)» dabei mit Fördergeldern und Expertenrat. So soll Wil Vorreiter für andere Gemeinden werden.

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Im Rahmen des Programms MONAMO entstanden und entstehen seit 2021 über 20 innovative Lösungen zu den vier Fokusthemen Shared Mobility, E-Mobilität, Aktive Mobilität (Fuss- und Veloverkehr) sowie City Logistik. Sie sollen zu einer besseren Lebensqualität für Wilerinnen und Wiler beitragen und die Mobilität in der Stadt nachhaltiger gestalten. Wil startet dabei nicht von 0. Die Stadt baut auf Konzepten zur nachhaltigen Mobilität auf, die schon vor dem MONAMO-Programm entstanden. Das Stadtparlament hatte sich bereits 2016 entschieden, hier einen Fokus zu setzen und Gelder zu sprechen. «MONAMO hat uns einen Rahmen für die vielen Ideen gegeben und beim Priorisieren geholfen», so Stefan Grötzinger, Energiebeauftragter der Stadt Wil und Programmverantwortlicher für MONAMO. «So konnten wir auf bestehenden Konzepten aufbauen, neue Ideen entwickeln und gezielt nach Synergien suchen.»

Mischung aus möglichst effektiven Massnahmen und Quick-Wins

Ziel der Wiler ist es, bis 2030 eine klimaneutrale Verwaltung vorzuweisen. Bis 2050 soll die gesamte Stadt eine Netto-Null-Bilanz haben. Massnahmen, die einen möglichst grossen Beitrag dazu leisten, werden zuerst umgesetzt. Gleichzeitig sollen aber auch Projekte in Angriff genommen werden, die schnelle, wenn auch nur kleine Erfolge erzielen. Das motiviert zum Weitermachen. Wil möchte einen Massnahmemix umsetzen, von dem die junge und die ältere Generation gleichermassen profitiert. Dabei wird jede Idee zuerst an einer kleinen Testgruppe auf die Probe gestellt. «Diese sogenannten Early Adopters helfen uns, Ideen und Angebote zu überprüfen und anzupassen, bevor wir sie in der ganzen Stadt einführen. Diese Gruppe ist unfassbar wertvoll.», beschreibt Stefan Grötzinger.

Partizipativ, getestet und geprüft

Stefan Grötzinger ist die treibende Kraft hinter dem Wiler Nachhaltigkeits-Paket. Er stösst Ideen und Diskussionen an, koordiniert und vernetzt die richtigen Partner. «Am Anfang des MONAMO-Programms stand eine Veranstaltung mit Politik, Gewerbe, Multiplikatoren und der Bevölkerung. Hier konnten sie partizipativ die Schwerpunkte unseres Mobilitätsprogramms bestimmen und erste Massnahmen überlegen.» Danach hat die Stadt 30 Fachleute zu den einzelnen Themen eingeladen, die Ideen weiterentwickelt und einen Umsetzungsplan erstellt. «Einer unserer Vorteile war, dass wir bereits Gelder hatten, um das Thema voranzutreiben: Aus unserem Energiefonds und aus Gewinnen der Technische Betriebe.», erinnert sich Grötzinger. «Aktuell treiben wir das Thema Ladestationen für Mehrfamilienhäuser voran. Ausserdem starten wir mit einem neuen Tool, mit dem die Technischen Betriebe clustern können, wo sich die sinnvollsten Lagen für Ladestationen befinden.» Unterstütz wird Stefan Grötzinger in der Konzeption des MONAMO-Programms, der fachlichen Begleitung und bei den partizipativen Prozessen durch das Büro für Mobilität.

Wil ist damit die erste Stadt in der Schweiz mit einer komplett elektrischen Mobility-Flotte.
Stefan Grötzinger, Energiebeauftragter Stadt Wil und Programmverantwortlicher MONAMO

Erfolgreiche Kooperationen mit Privaten

Ein Schlüssel zum Erfolg sei die Zusammenarbeit mit Privaten Anbietern. So entstand auch das On-Demand-Abendtaxi «SALÜ». «Das ist der Knaller!», berichtet Stefan Grötzinger begeistert: «Das wird gut angenommen.» Auch das Angebot «Mobility für alle» ist eine Erfolgsgeschichte: Zusammen mit der Key Account Managerin von Mobility hat Stefan Grötzinger das Angebot auf die Beine gestellt. Da kamen zwei Motivierte zusammen. «Mobility gibt es ja schon. Da muss man das Rad nicht neu erfinden. Am Anfang haben wir den Stadtmitarbeitenden Mobilty-Fahrzeuge als Firmenwagen angeboten. Die Bevölkerung konnten die Fahrzeuge in den Abendstunden nutzen. Dann kam die Idee, zusätzlich alle Standorte zu elektrifizieren. Das hat nun auch geklappt. Wil ist damit die erste Stadt in der Schweiz mit einer komplett elektrischen Mobility-Flotte.»

Das i-Tüpfelchen ist nun das Angebot «Mobility für alle» bei dem alle Wilerinnen und Wiler ein Jahr lang kostenlos ein Mobility-Abo erhalten. Die Technischen Betriebe haben bei der Finanzierung unterstützt. Mittlerweile nutzen 70 Stadtmitarbeitende das Angebot und in der Bevölkerung ist die Anzahl der Mobility-Abos auf das doppelte angestiegen.

«Was auch cool ist: Mobility produzierte jetzt einen Film über Wil als Pilotgemeinde, so bekommen wir nochmal Werbung für das Angebot und andere Städte übernehmen unser Wiler Modell– städtische und private Aktivitäten ergänzen sich da perfekt.»

Viel Menschenkenntnis und intrinsische Motivation

Um alles voranzutreiben, braucht es laut Stefan Grötzinger motivierte Leute, Menschenkenntnis und Organisationstalent. Manchmal brauche es aber auch etwas Zeit. «Die Veloauslieferung gibt es jetzt ein Jahr. Noch wird sie nicht so häufig genutzt. Aber das muss sich erst etablieren. Selbst Vorzeigestädte haben dafür viele Jahre gebraucht. Wir werden unser Angebot noch etwas anpassen, so dass vor allem Ältere davon profitieren und sie mit dem Velo ihre Einkäufe nach Hause gebracht bekommen. Auch eine Kooperation mit Altersheimen ist geplant.»

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Empfehlungen für andere Gemeinden

Was empfiehlt Stefan Grötzinger anderen Gemeinden? «Jeder und jede kann zu uns kommen und Fragen stellen. Zudem kann man auf der Plattform clemo.ch oder spielenergie.ch viele Beispiele anschauen, nicht nur aus Wil. Ich empfehle vor allem die Zusammenarbeit mit privaten Unternehmen. Auch das Thema an die Schulen zu bringen, ist sehr befruchtend. Klimaschutz ist ein Thema, bei dem die Jugend etwas anpacken kann und will. Wir wollen deshalb aufzeigen, dass eine Netto-Null-Mobilität Spass machen kann und über das Austesten zu einer Verhaltensänderung führt. Und sonst gilt: Einfach machen. Klein anfangen. Dann skalieren. Chancen u. Synergien erkennen. Mutig sein.»

Massnahmen

Shared Mobility
  • Sharing-Plattform «WilShare»

  • Erste komplett elektrifizierte Mobility-Flotte der Schweiz

  • Carsharing-Angebot «Mobility für alle»

  • Kostenloser Coworking-Space

E-Mobilität
  • On-Demand-Abendtaxi «SALÜ»

  • Smartes Solar-Energiemanagement für Privathaushalte

  • E-Cargobikes zum Ausleihen

  • Velo-Grossanhänger zum Ausleihen und später kaufen

Aktive Mobilität
  • Mobile Velobügel

  • Pop-up Rollschuh-Disko mit Gratiseintritt für Vereine und Schulklassen

  • Aktionen und Infos zur Schulwegsicherung

  • Velofahrkurse für Senioren und Kinder

City Logistik
  • Velolieferdienst «viaVelo Wil» für Einkäufe

  • Velo-Abholdienst für Abfallentsorgung

  • Micro-Hubs für Pick-Up-Lieferungen ins Zentrum/Quartier

Querschnittsthemen

Das Projekt im Überblick

Kosten und Finanzierung

Mehrere Finanzierungsquellen: Ein Teil der Gewinne der Technischen Betriebe Wil.

MONAMO: EnergieSchweiz übernimmt 40 % der Kosten, das sind insgesamt 500'000 Franken für die Jahre 2021-2025.

Durch Eigenleistungen und Partnerschaften (z. B. mit Car-Sharing-Anbieterin Mobility, BUS Ostschweiz AG, dem Kanton St. Gallen, der den On-Demand-Bus ins Tarifsystem aufgenommen hat.

Zeitdauer

2021-2025

Involvierte Akteure

Bevölkerung, Vereine, Unternehmen, Schulen, Verbände und Politik.

Erfolge

Verdoppelung Mobility Kundschaft 30 % ÖV Gäste im SALÜ-Bus

Herausforderungen

Verhaltensänderungen brauchen Zeit.

Nachhaltige Perspektive

Die Aktionen sensibilisieren die Bevölkerung und zielen auf eine nachhaltige Verhaltensänderung. So werden die Angebote langfristig genutzt.

Tipps und Tricks

Bevölkerung, Vereine, Unternehmen, Schulen, Verbände und Politiker einbinden, z. B., um Ideen zu generieren und umzusetzen oder für erste Testläufe.

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