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Deitingen – Parkplatzreduziertes Bauen in Kleinstädten und Dörfern

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Ein guter Standort für Wohnhäuser lässt sich durch das Angebot für das alltägliche Leben bemessen: Wie nahe sind Schulen, Einkaufsläden, Apotheke etc. gelegen. Das Fluryhaus in Deitingen ist ein 3-Parteien-Holz-Wohnhaus, welches sich in ein Ensemble aus zwei bestehenden Bauten (Bauernhaus und energieautarkes Einfamilienhaus) einfügt. Es liegt im unklassierten Bereich (nach den ARE ÖV-Güteklassen). Trotz der suboptimalen Lage ist das Projekt gut für ein parkplatzreduziertes Projekt mit Mobilitätskonzept geeignet, denn Einkaufsgeschäfte, Schule, Kindergarten, Post, Restaurants, Gesundheitseinrichtungen und Coiffeur sind nur 300m entfernt. Hinzu kommt, dass im Umfeld die Qualität der Fuss- und Velowege gut sind.

Gemäss Baureglement der Gemeinde wären acht Parkplätze gefordert gewesen: zwei für das bestehende Einfamilienhaus, einer für die geplante 3-Zimmer-Maisonette-Wohnung, je zwei für die zwei neuen 4-Zimmer-Wohnungen sowie ein Parkplatz für Besuchende. Die Realisierung aller Parkplätze hätte das Gartenidyll zerstört. Für die Eigentümerschaft war klar, dass in seinem beispielhaften Projekt auch die Mobilität nachhaltig funktionieren muss. Mit einem Mobilitätskonzept wurde der Gemeinde eine Lösung unterbreitet, welche vier Parkplätze vorsieht: Einen für den siedlungseigenen Kleinwagen, zwei für Besuchende und einen für den Warenumschlag. Gemäss dem Mobilitätskonzept müssen die Bewohnenden eine Autoverzichtserklärung unterzeichnen. Zusätzlich zum gemeinschaftlich genutzten Kleinwagen stehen ein Elektro- und ein Cargo-Velo zur Verfügung. Die Gemeinde Deitingen hat mit dem Mobilitätskonzept eine Sicherheit erhalten, für den Fall, dass es wider Erwarten zu Problemen mit abgestellten Autos in der Nachbarschaft kommt. Im festgelegten Controlling-Prozedere wird beschrieben, dass bei wiederholten Abweichungen von den Vorgaben Ersatzabgaben an die Gemeinde zu leisten sind. Das Baugesuch wurde von der Gemeinde Deitingen gestützt auf das Mobilitätskonzept genehmigt. Die Bestimmungen aus dem Mobilitätskonzept werden zudem durch einen Grundbucheintrag gesichert, damit diese auch bei einem allfälligen Besitzerwechsel weiter gelten. Lesen Sie mehr zu diesem Beispiel auf der Plattform Immobilien und Mobilität.

Wie können Gemeinden das parkplatzreduzierte Bauen unterstützten?

Die Gemeinden können einerseits das Baureglement anpassen: Bei einer Revision des Baureglements kann die Grundlage geschaffen werden, dass begründete parkplatzreduzierte Projekte bewilligungsfähig werden. Andererseits kann die Gemeinde das Gespräch mit der Bauherrschaft suchen: Die Gemeinde kann die Bauherrschaft bei Projekten an geeigneter Lage ermuntern, die Parkplatzzahl zu überdenken. Fakten zum Projekt (optional), werden in Tabellenform dargestellt.

Das Projekt im Überblick

Kosten und Finanzierung

Kosten für die Begleitung durch die «Plattform Immobilien und Mobilität»: CHF 8‘000 CHF (Mobilitätskonzept, Kommunikation Beispiel Fluryhaus für Medienartikel, Fallbeispiel der Plattform etc.)

Finanzierung: Hälftig Bauherrenschaft/Plattform Immobilien und Mobilität

Zeitdauer

2021 – 2023

Involvierte Akteure

Eigentümerschaft/Bauherrenschaft und Gemeinde/Mobilitätsberatende

Erfolge

Bis zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine bekannten Beispiele für autoreduzierte Projekte auf dem Land. Die Gemeinde hatte dadurch keinen Referenzpunkt. Sie hat das parkplatzreduzierte «Fluryhaus» als Pilotprojekt definiert.

Nachhaltige Perspektive

Mit der Parkplatzreduktion wird die Mobilität der Bewohnenden gesteuert. Anstatt Privatverkehr wird eine Mobilität zu Fuss, per Velo, mit dem ÖV und wenn sich eine Autofahrt nicht vermeiden lässt – mit dem gemeinschaftlichen Carsharing-Auto gefördert. Dadurch werden die Emissionen und der Energieverbrauch dauerhaft massiv gesenkt.

Tipps und Tricks

Bei Neubauten systematisch die Lagefaktoren analysieren und an geeigneten Lagen parkplatzreduzierte Projekte mit Mobilitätskonzept fördern. Dadurch werden in der Gemeinde weniger Verkehr erzeugt, Gefahrensituationen beispielsweise für spielende Kinder reduziert und die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum gesteigert. Durch den reduzierten Privatverkehr werden die Immissionen gesenkt – ein spürbarer Effekt für Umwelt und Klima.

Kontakt

Samuel Bernhard c/o bernhard Umwelt • Verkehr • Beratung info@wohnbau-mobilitaet.ch

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