Das Thema lag schon länger in der Churer Luft. Jetzt hat es Pro Velo Graubünden auf den Boden, oder vielmehr auf die Strasse gebracht: ein öffentliches Bikesharing, unterstützt von diversen Standortpartnern. Nach dem erfolgreichen Pilotbetrieb wurde «Mooinz» weitergeführt und deutlich ausgebaut. Das Churer Bikesharing ist jetzt im Jahresabo für den ÖV inklusive!

Was sagt der Churer zur Churerin, wenn er sie auf der Strasse trifft? «Mooinz!» Dieses typische Churer Grusswort gab dem Leihvelosystem den Namen. Seit September 2023 können an verschiedenen Standplätzen öffentliche Velos ausgeliehen werden, zum Beispiel am Bahnhof. Über ein Bikesharing wurde in Chur schon länger diskutiert und für die Umsetzung wurden mehrere Anläufe unternommen. Doch erst mit dem Engagement von Pro Velo Graubünden kam das Projekt «Mooinz» zum Fliegen. Simon Wahl, der als Projektleiter den Pilotbetrieb in ein reguläres Angebot überführte, erzählt: «Unser Vereinszweck ist es, das Velofahren zu fördern. Deshalb haben wir im Auftrag des Kantons die verschiedenen Stakeholder an einen Tisch gebracht und danach die Umsetzung vorangetrieben.» Ein innovatives Modell sicherte die Finanzierung: Personell und organisatorisch wurde der Pilotbetrieb von Pro Velo, finanziell mehrheitlich von den sechs Standortpartnern der Velostationen gestemmt.
«Unser Vereinszweck ist es, das Velofahren zu fördern. Deshalb haben wir im Auftrag des Kantons die verschiedenen Stakeholder an einen Tisch gebracht und danach die Umsetzung vorangetrieben.»
Die Pilotphase wurde in Zusammenarbeit mit dem Anbieter PubliBike durchgeführt und dauerte 9 Monate. Das anfängliche Netz bestand aus 10 Stationen und 60 Velos, die mit Unterstützung von 6 lokalen Partnern finanziert wurden. Deren Mitarbeitende konnten das Angebot kostenlos nutzen. Der Pilot verlief erfolgreich: Über 11'000 Fahrten wurden registriert. Hauptsächlich diente das Bikesharing den Mitarbeitenden der Standortpartner – insbesondere für den Arbeitsweg zwischen Bahnhof und Arbeitsplatz.
Nach Abschluss der Pilotphase schrieb Pro Velo Graubünden einen öffentlichen Wettbewerb zur Suche eines neuen Betreibers aus. Seit Juli 2024 ist nextbike verantwortlich für den Betrieb und hat das System deutlich erweitert: 20 feste Stationen (doppelt so viele wie im Pilotbetrieb) und 100 Velos, darunter auch E-Bikes und Cargovelos, die an allen Stationen ausgeliehen und zurückgebracht werden können. Ziel ist es, «Mooinz» breiter in der Bevölkerung zu verankern – also nicht nur Mitarbeitenden der Standortpartner zur Verfügung zu stellen. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden die zusätzlichen Stationen mithilfe einer GIS-Analyse strategisch an Orten mit hohem öffentlichem Nutzen platziert. Dadurch ist das Angebot deutlich attraktiver für die allgemeine Bevölkerung geworden. Inzwischen stammen fast die Hälfte aller Fahrten von Personen, die nicht bei den Partnerunternehmen arbeiten – ein klares Zeichen für die wachsende Nutzung im Alltag.
Auch in den Wohnquartieren ist die Nachfrage nach weiteren Stationen gross. Pro Velo Graubünden befindet sich deshalb im Austausch mit der Stadt Chur und privaten Akteuren, um diese Bedürfnisse künftig abdecken zu können.
Im März 2025 machte Mooinz einen weiteren wichtigen Schritt und wurde offiziell in den Tarifverbund Transreno, das Bündner ÖV-Konsortium, integriert. Nutzerinnen und Nutzer mit einem Transreno-Jahresabo können die Velos nun für 30 Minuten kostenlos nutzen. E-Bikes und Cargovelos stehen zum vergünstigten Preis von CHF 1 bzw. CHF 2 zur Verfügung. Um von diesen Vorteilen zu profitieren, genügt eine Registrierung in der nextbike-App. Dort lässt sich der SwissPass über einen speziellen Link mit dem Konto verbinden und das Transreno-Abo verifizieren. Nach erfolgreicher Prüfung werden die Sondertarife bei jeder Fahrt automatisch angewendet. Sascha Streule, Geschäftsführer von Transreno, freut sich: «Damit wird das Umsteigen von Bahn zu Velo und Velo zu Bus noch einfacher – und noch günstiger.»
Parallel dazu wurde die neue Dachmarke BikeShare invia lanciert – entwickelt von Pro Velo Graubünden und invia, der Plattform für den öffentlichen Verkehr im Kanton. Ziel ist es, das Bikesharing eng in das ÖV-Netz des Kantons Graubünden einzubinden. Sabrin Meister, Co-Leiterin von invia, erklärt: «Das Bikesharing Angebot ergänzt den öffentlichen Verkehr. Damit kann die sogenannte ‘erste und letzte Meile’ flexibel zurückgelegt werden. Dank der E-Bikes sehen wir viel Potential im ganzen Kanton, gerade auch zu den Randstunden, wo das ÖV-Fahrplanangebot nicht mehr so ausgebaut ist».
Mooinz zählt derzeit 23 aktive Stationen in Chur und wird auch in den Wintermonaten regelmässig genutzt. Seit September 2023 wurden über 42’000 Fahrten in der Stadt registriert – ein klarer Beleg für das grosse Potenzial dieser Mobilitätsform.
Pro Velo Graubünden richtet den Blick nun in die Zukunft. Simon Wahl, Geschäftsführer, erklärt: «Unser Verband setzt sich für das Velofahren im ganzen Kanton ein. Wir wollen den Erfolg von ‘Mooinz’ also aus Chur hinaus tragen». Aus diesem Grund steht Pro Velo derzeit mit verschiedenen Gemeinden im Austausch.
Kosten und Finanzierung | Standortpartner der Velostationen finanzieren ihre Stationen teilweise oder vollständig Pro Velo Graubünden Für die Nachfolgelösung: Anschubfinanzierung durch die Koordinationsstelle für nachhaltige Mobilität (KOMO) |
|---|---|
Zeitdauer | Pilotbetrieb von September 2023 bis Juni 2024: seit Juli 2024 besteht ein Vertrag für weitere vier Jahre mit dem Anbieter nextbike |
Involvierte Akteure und Akteurinnen | Pro Velo Graubünden Anbietende: nextbike Transreno invia Standortpartner im Pilotbetrieb: Kantonale Verwaltung Graubünden Fachhochschule Graubünden Pädagogische Hochschule Graubünden Psychiatrische Dienste Graubünden Kantonsspital Graubünden Stadt Chur EHL Passugg |
Interkommunale Zusammenarbeit/Beitrag der Gemeinde | Für die zukünftige Entwicklung ist die Zusammenarbeit mit Gemeinden und Partnern im ganzen Kanton denkbar. Entsprechende Gespräche sind im Gang. |
Erfolge | Von Beginn weg hohe Nachfrage und gute Auslastung. Starke Zunahme mit mehr Stationen Allein im neunmonatigen Pilotbetrieb wurden 11'000 Velofahrten generiert Seit September 2023 über 42'000 Fahrten in Chur registriert Erfreuliche Rückmeldungen aus der Bevölkerung Positive Medienberichterstattung Keine Probleme mit Vandalismus Nahtlose, erweiterte Anschlusslösung nach dem Pilotbetrieb Integration ins öffentliche Verkehrssystem (Transreno-Abo) Lancierung der Marke „invia BikeShare“ Regelmässige Nutzung auch in den Wintermonaten Rund ein Viertel der Fahrten wird mittlerweile von Nutzer:innen gemacht, die nicht bei Standortpartnern arbeiten |
Herausforderungen | Alle Interessierten an einen Tisch zu bringen und das Pilotprojekt anzustossen Die öffentliche Hand zur Mitfinanzierung bewegen, so dass das Netz für alle attraktiv wird Technische Integration (App, SwissPass, Tarifmodell) Das System für die breite Bevölkerung zugänglich und attraktiv machen |
Regionale Bedeutung | Ziel: Ein kantonsweites Bikesharing-Netz mit Anbindung an den öffentlichen Verkehr |
Nachhaltige Perspektive | Das Bikesharing ergänzt das Angebot des öffentlichen Verkehrs und macht damit den öffentlichen Verkehr gegenüber dem Auto attraktiver. Dazu kommen die positiven Aspekte für die Gesundheit durch häufigeres Velofahren. |
Tipps und Tricks | Die Initiative ergreifen und einen ersten Betrieb starten – auch wenn die Leute eigene Velos haben, werden Leihvelos genutzt Die Mitfinanzierung durch die öffentliche Hand sicherstellen Standortpartner finden und ein ausgebautes und gut zugängliches Netz von Stationen zur Verfügung stellen Stationen als Ergänzung zum öffentlichen Verkehr auch an ÖV-Verkehrsknotenpunkten positionieren Attraktive Konditionen anbieten: zum Beispiel für Studierende und die Mitarbeitenden der Standortpartner. Das Tarifmodell für die Öffentlichkeit muss günstiger sein, als das des ÖV Einfache Benutzbarkeit für einen niederschwelligen Einstieg (App, Zahlungssystem, SwissPass), gutes Rollmaterial und guter Service durch den Anbieter sicherstellen Gute Kommunikation über Medienarbeit und die interne Kommunikation der Standortpartner sicherstellen, um das Angebot bekannt zu machen |
Simon Wahl simon.wahl@provelogr.ch
