Energieeffizienz in Gewerbe und Landwirtschaft: Strom sparen mit System

Wie können Gemeinden energieintensive Betriebe identifizieren und gezielt zur Energieberatung motivieren? Die Energie-Region Sursee-Mittelland zeigt dies an einem praxisnahen Ansatz.

Ein PEIK-Berater begutachtet gemeinsam mit einem Unternehmer eine Photovoltaikanlage.

Das Wichtigste in Kürze

  • Systematische Identifikation energieintensiver Betriebe schafft klare Prioritäten.

  • GIS-Analysen werten räumliche Informationen aus und liefern eine belastbare Entscheidungsgrundlage.

  • Persönliche Ansprache wirkt besser als breite Streuung.

  • Kommunale Zusammenarbeit stärkt die Wirkung nachhaltig.

  • Bestehende Programme wie PEIK gezielt nutzen.

Energieeffizienz dort fördern, wo das Potenzial am grössten ist

Die Energie-Region Sursee-Mittelland identifizierte im Rahmen ihrer Energie- und Klimabilanz 2021 einen hohen Energieverbrauch im Gewerbe- und Industriesektor: Rund 40 % des gesamten Energiebedarfs sowie 55 % des Stromverbrauchs entfallen auf diesen Bereich.

Gleichzeitig fehlen vielen kleinen und mittleren Betriebe die Ressourcen, um Effizienzpotenziale selbstständig zu identifizieren. Hier setzte das Projekt an: Es identifiziert energieintensive Betriebe, vermittelt passende Beratungsangebote (z. B. PEIK, agriPEIK) und unterstützt die Gemeinden bei der Kommunikation.

Umsetzung in vier Schritten

Die Projektumsetzung erfolgte gemeinsam mit der Energieberatung e4plus AG und umfasste vier zentrale Arbeitsschritte:

  1. Strombedarfsanalyse: Auf Basis von Verbrauchsdaten der Netzbetreiber wurden energieintensive Betriebe systematisch identifiziert. Die Ergebnisse wurden mithilfe von GIS-Daten aufbereitet und den Gemeinden zur Verfügung gestellt.

  2. Umsetzungshilfen: Bestehende Förderprogramme wie PEIK und agriPEIK wurden konsolidiert und in branchenspezifische Informationsblätter überführt. Diese bieten Betrieben eine einfache Entscheidungsgrundlage.

  3. Kommunikationsoffensive: Die Gemeinden übernahmen eine aktive Rolle in der Ansprache. Dazu gehörten: Verteilung von Informationsmaterial, direkte Kontaktaufnahme mit Betrieben, Zusammenarbeit mit lokalen Verbänden. Gezielt adressierte Schreiben erwiesen sich dabei als besonders wirksam.

  4. Energiekonferenzen: An den Energiekonferenzen 2024 und 2025 wurden Ergebnisse präsentiert und Erfahrungen ausgetauscht. Ein erfolgreiches Praxisbeispiel aus der Landwirtschaft wurde vertieft vorgestellt.

Erste Wirkungen sind sichtbar

Die Gemeinden konnten zahlreiche energieintensive Betriebe identifizieren und gezielt ansprechen. Erste Unternehmen nutzten daraufhin Beratungsangebote wie PEIK und agriPEIK. Auch die bereitgestellten Informationsmaterialien stiessen auf positive Rückmeldungen.

Darüber hinaus etablierte sich ein Erfahrungsaustausch zwischen den Gemeinden. Gleichzeitig gewann das Thema Energieeffizienz stärker an Bedeutung in der kommunalen Energiepolitik.

Zielgerichtete Kommunikation statt Streuverlust

Eine zentrale Herausforderung bestand in der Zuordnung von Stromverbräuchen bei Mischnutzungen. Zudem waren personelle Ressourcen in einigen Gemeinden teilweise begrenzt.

Als besonders wirksam erwies sich deshalb eine zielgerichtete Kommunikationsstrategie. Statt breit gestreuter Massenversand setzte die Gemeinde auf personalisierte Anschreiben, branchenspezifische Inhalte und bestehende Netzwerke.

Die persönliche Ansprache erhöht die Bereitschaft von Betrieben, eine Beratung in Anspruch zu nehmen.
Energie-Region Sursee-Mittelland

Das hat die Region erreicht

Mit dem Projekt schuf die Energie-Region Sursee-Mittelland eine auf räumlichen Analysen basierte Datengrundlage zur Identifikation energieintensiver Betriebe. Gleichzeitig entstanden praxisnahe Informations- und Kommunikationsmittel für Gemeinden und Unternehmen. Die Energiekonferenzen etablierten sich als wichtiges Austauschformat und erste nachweisbare Beratungsaktivitäten konnten erfolgreich angestossen werden. Zudem wurde das Thema Energieeffizienz stärker verankert.

Nächster Fokus: kommunale Gebäude

Die Energie-Region plant, das Thema Energieeffizienz langfristig zu verstetigen. In einem Folgeprojekt sollen kommunale Gebäude hinsichtlich Stromnutzung analysiert und zusätzliche Effizienzpotenziale identifiziert werden.

Das Projekt im Überblick

Kosten und Finanzierung

Rund 130'000 CHF

Zeitdauer

2024-2025

Involvierte Akteure

Energie-Region RET Sursee-Mittelland, Gemeinden, Energieberatung e4plus AG, Gewerbe- und Bauernvereine

Erfolge

Systematische Datengrundlage, Kommunikationshilfen, Beratungsvermittlung, Erfahrungsaustausch

Herausforderungen

Datenerhebung bei Mischgebäuden, begrenzte Personalressourcen, Anreizstruktur für KMU

Nachhaltige Perspektive

Langfristige Reduktion des Stromverbrauchs im Gewerbe, Stärkung regionaler Wertschöpfung, Beitrag zur 2000-Watt-Gesellschaft

Zielgruppen

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