Das Vedeggio Valley plant, bis 2050 Netto-Null zu erreichen

Strom aus dem Trinkwasser, Abwärme im Netz nutzen und öffentliche Ladeinfrastruktur ausbauen: Das Vedeggio Valley stellt erneuerbare Energien, Effizienz und Klimaschutz in den Mittelpunkt.

Luftaufnahme einer Trinkwasseranlage bei Mezzovico-Vira.

Das Wichtigste in Kürze

  • ​​Die bestehenden Wasserleitungen und zukünftigen Infrastrukturmassnahmen zusätzlich in Wert setzen, indem lokaler und erneuerbarer Strom erzeugt wird.

  • Quellen von Abwärme und erneuerbarer Wärme identifizieren sowie das Potenzial der Verteilung der Wärme in Netzen in Wohn- und Industriegebieten untersuchen.

  • Den künftigen Bedarf der Bevölkerung an öffentlichen Lademöglichkeiten frühzeitig berücksichtigen und die Ladeinfrastruktur mit einem gestaffelten Infrastruktur-Erweiterungsplan bedarfsgerecht erweitern.

Im Mittelpunkt dieser Geschichte stehen die fünf Gemeinden der Energie-Region Vedeggio Valley (Bedano, Lamone, Mezzovico-Vira, Monteceneri und Torricella Taverne) – und ihr gemeinsames Ziel, konkrete Projekte für eine nachhaltigere Energieversorgung und Mobilität auf regionaler Ebene umzusetzen.

Erneuerbare Stromproduktion in der Wasserleitung

Die Stromerzeugung in der Wasserleitung ermöglicht es einerseits, eine bereits bestehende und notwendige öffentliche Infrastruktur zu nutzen, und andererseits erneuerbare Elektrizität auch in den Wintermonaten zu erzeugen, wenn aktuell ein Versorgungsmangel besteht. Das Wassernetz, das die Bevölkerung des Vedeggio Valley mit Trinkwasser versorgt, hat seine Wasserentnahmestellen in höherer Lage: eine gute Voraussetzung, um das Vorhandensein von Überdruck oder ausreichenden Druckgefällen zur Stromerzeugung zu nutzen. Hinzu kommt die Chance, die sich aus den mittelfristig geplanten Massnahmen zur Vernetzung von Wasserleitungen ergibt, die eine sichere Wasserversorgung auch in Zukunft gewährleisten sollen und die Installation von kleinen Wasserkraftwerken in der Wasserleitung noch rentabler und sinnvoller machen könnten.

Elemente der durchgeführten Studie:

  • Erfassung und Analyse der technischen Daten vorhandener Wasserleitungen mit Unterstützung der allgemeinen Wasserleitungspläne und kantonalen Wasserversorgungspläne;  

  • Analyse des rechtlichen Rahmens für kleine Wasserkraftwerke; 

  • Ermittlung aller potenziell interessanten Fälle für die Installation von kleinen Wasserkraftwerken, auch unter Berücksichtigung möglicher zukünftiger Massnahmen;  

  • Auswahl und Vertiefung (Machbarkeitsstudie) der interessantesten Fälle (Kosten-Nutzen-Verhältnis); 

  • Ermittlung der Anlagen, für die die Umsetzung angegangen werden soll.  

Die Realisierung der drei interessantesten Anlagen könnte pro Jahr zur Erzeugung von etwa 243 MWh an lokaler erneuerbarer Elektrizität führen, vergleichbar mit dem jährlichen Verbrauch von etwa 50 Haushalten.

Abwärme und erneuerbare Wärme im Netz

Zu den Zielen des Vedeggio Valley gehört auch die Erhöhung des Anteils erneuerbarer Wärme, die im Gebiet verbraucht wird, und die Bereitstellung einer Wärmeverteilungsinfrastruktur, die das Gasnetz ergänzt. Die Region möchte die Heizung von Gebäuden nachhaltiger gestalten und hat dazu mit einer Machbarkeitsstudie die Gebiete bewertet, die sich zur Realisierung neuer Wärmenetze eignen.  

Elemente der durchgeführten Studie:

  • Analyse vorhandener kommunaler Energiepläne, Datenaktualisierung und Ermittlung von Gebieten, die sich zur Realisierung von Wärmenetzen eignen;  

  • Bewertung der Verfügbarkeit von Abwärme und des Interesses von auf dem Gebiet vorhandenen Industrieakteuren durch eine vorläufige Umfrage;  

  • Ermittlung aller potenziell interessanten Gebiete zur Realisierung von Wärmenetzen (zehn wurden ermittelt); Auswahl und Vertiefung (Machbarkeitsstudie) der beiden interessantesten Fälle (Kosten-Nutzen-Verhältnis) in zwei verschiedenen Gemeinden des Vedeggio Valley;  

  • Bewertung der am besten geeigneten erneuerbaren Energieträger, einzeln oder in Kombination verwendet (Holzhackschnitzel, Grundwasser, Abwärme).  

Die Realisierung der Netze ist nun zwei Gemeinden des Vedeggio Valley übertragen worden und könnte dem Gebiet eine jährliche Verringerung der Treibhausgasemissionen von fast 1700 tCO2eq bringen, vergleichbar mit den durchschnittlichen jährlichen Pro-Kopf-Emissionen von 140 in der Schweiz lebenden Personen.

Bereit für den Ladebedarf der Bevölkerung

Für das Vedeggio Valley muss nachhaltige Energie auch die Mobilität von morgen antreiben. Eine koordinierte und umsichtige Planung des Ausbaus der öffentlichen Ladeinfrastruktur ist daher notwendig, um mit der zunehmenden Zahl von Elektrofahrzeugen und den entsprechenden Anforderungen der Bevölkerung, die sich für den Kauf eines Elektrofahrzeugs entscheiden, Schritt zu halten. Auch wenn die Entwicklung bereits in diese Richtung geht, ist eine koordinierte Planung notwendig, um bereit zu sein, wenn die Zahl der stromgetriebenen Fahrzeuge weiter zunimmt. Das Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, die Strategie zur Installation neuer öffentlicher Ladepunkte für die Region und im Laufe der Zeit zu definieren.

Elemente der durchgeführten Studie:

  • Quantifizierung des aktuellen und zukünftigen Ladebedarfs und Festlegung verschiedener mehr oder weniger umfassenden Entwicklungsszenarien;  

  • Ermittlung der am besten geeigneten Standorte, auch unter Berücksichtigung der Arten von Siedlungsgebieten, in denen Einwohnende keinen privaten Parkplatz haben (z. B.: Kerngebiete und Mehrfamilienhäuser); 

  • Festlegung der Ladetypen (normal, beschleunigt oder schnell; unidirektional oder bidirektional);  

  • Analyse der Möglichkeiten zur öffentlichen Nutzung bestehender Unternehmensladestationen ausserhalb der Arbeitszeiten und am Wochenende.  

Das Vedeggio Valley verfügt nun über einen Plan zur Erweiterung der öffentlichen Ladeinfrastruktur mit technischen Empfehlungen und entsprechender Kostenschätzung.​

Das Projekt im Überblick

Kosten und Finanzierung

​​circa 220'000 CHF​

Zeitdauer

2024-2025

Involvierte Akteure

​​Gemeinden Bedano, Lamone, Mezzovico-Vira, Monteceneri und Torricella Taverne, Kommission Vedeggio Valley, mandatari esterni​

Erfolge

​​Die Studien zur Wasserkraft im Trinkwassernetz und der öffentlichen Ladeinfrastruktur haben es ermöglicht, konkrete Projekte auszuwählen, die dank der Beiträge des Programms Energie-Region für den Zeitraum 2026-2027 für die nächsten Phasen vertieft werden.​

Herausforderungen

​​Die Umsetzung der Projekte für Wärmenetze liegt in der Verantwortung der betroffenen Gemeinden, die sich individuell dafür entscheiden müssen, mit der Entwurfsplanung fortzufahren.​

Nachhaltige Perspektive

Alle Projekte sind auf die Ziele von EnergieSchweiz ausgerichtet, die Stromerzeugung aus heimischen erneuerbaren Energieträgern auszubauen und bis 2050 das Ziel von Netto-Null Treibhausgasemissionen zu erreichen.

Hinweise/Besonderheiten

​​Ein klarer Mehrwert der Vedeggio-Valley-Projekte liegt in dem analytischen Ansatz, der auf Projekte mit der grössten Chance auf Umsetzung und Realisierung im Gebiet ausgerichtet ist​.

Bild: © Gemeinde Mezzovico-Vira / Fotografie von Sirio Aimi

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