
Die Agglomerationsgemeinde Kriens zählt zu den Front Runner, also zu den Städten und Gemeinden, die ihre Netto-Null-Ziele besonders tatkräftig und innovativ angehen. Zu den Front-Runner-Projekten zählt auch das Vorbildquartier Kuonimatt. Dort sollen nachhaltige, gemeinschaftliche Lösungen für die Versorgung mit Wärme und Strom entstehen. Die Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers gestalten diese mit.
Im Fall des Quartiers Kuonimatt begann es mit einer Umfrage und einem Quartieranlass zum Thema Heizen: Kriens wollte zum Projektstart 2024 wissen, wie die Menschen heizen, ob sie Sanierungen planen und wie sie gemeinsame Heizlösungen finden. In einer Machbarkeitsstudie erörterte die Stadt, ob und zu welchen Kosten ein Wärmeverbund möglich wäre – schliesslich gibt es in unmittelbarer Nähe ein Fernwärmenetz.
Doch es tauchten Hindernisse auf: Eine Wärmeverbund wäre nicht wirtschaftlich gewesen, da das Gebiet zu wenig dicht bebaut ist und nicht alle mitgemacht hätten. Erdsonden kommen wegen des Grundwassers nicht in Frage: «Es ist artesisch gespannt», erklärt Projektleiterin Miriam Mutti* von der Stadt Kriens, «daher besteht das Risiko, dass es bei einer Bohrung nach oben dringt.» Als letzte nachhaltige Option blieben die Luft-Wasser-Wärmepumpen. Aber das Quartier ist lärmempfindlich. Was also war zu tun?
«Wir verfolgen die Luft-Wasser-Wärmepumpen weiter», sagt Miriam Mutti. Dass diese gut ankamen, hatte Kriens während der gemeinschaftlichen Quartieranlässe festgestellt. Die Stadt will nun gesamtheitlich planen, damit die Lärmemissionen innerhalb der Grenzwerte bleiben. Um festzustellen, wo die Lärmrisikogebiete sind, hat sie erste Simulationen durchführen lassen. Wer in einem Lärmrisikogebiet wohnt und eine Wärmepumpe möchte, muss seinen Lärmschutznachweis vom Kanton prüfen lassen, um eine Bewilligung zu erhalten.
Bereits einen Schritt weiter ist das Projekt vZEV, mit dem Kriens die Stromversorgung des Quartiers neu ausrichten will. «Unser Workshop stiess auf grosses Interesse», erzählt Miriam Mutti. Ziel des vZEV, also des virtuellen Zusammenschlusses zum Eigenverbrauch, ist es, möglichst viel Strom vor Ort selbst zu verbrauchen, um das Netz zu stabilisieren und die Photovoltaikanlage rentabler zu machen.
Anders als ein herkömmlicher ZEV kommt der vZEV ohne direkte Verbindung zwischen den Beteiligten aus. Sie nutzen die bestehenden Hausanschlussleitungen, um Strom innerhalb des Zusammenschlusses zu beziehen. Das ist für diejenigen, die Strom verkaufen, attraktiver als das Einspeisen: Sie dürfen 80% des Strompreises verlangen. Auch die Käuferinnen und Käufer profitieren: Sie bezahlen 20% weniger für den Strom aus der Nachbarschaft. Zwar seien die Strompreise per 2025 stark gesunken, sagt Miriam Mutti. Dadurch sei der finanzielle Vorteil geringer. Den Eigenverbrauch erhöht das System jedoch allemal. Das sehen auch die Quartierbewohnerinnen und -bewohner so. Inzwischen sind mehrere virtuelle Zusammenschlüsse im Aufbau.
Und es dürften noch mehr werden: Ab Herbst 2025 will die Stadt Kriens mit Machbarkeitsabklärungen für lokale Elektrizitätsgemeinschaften (LEG) starten. Und auch beim nachhaltigen Heizen geht es weiter: 2026 schafft Kriens ein neues Förderprogramm für gemeinschaftliches Heizen und Heizungsersatz. *Miriam Mutti arbeitet nicht mehr bei der Stadt Kriens. Ihre Nachfolgerin ist Corinne Schweri.
Kosten und Finanzierung | 99'230 CHF 30'000 CHF von EnergieSchweiz für Gemeinden im Rahmen von Front Runner |
Zeitdauer | Januar 2024 bis Dezember 2025 |
Involvierte Akteure | |
Interkommunale Zusammenarbeit | Nachbargemeinde Horw |
Erfolge | Vernetzung der Quartierbewohnerinnen und -bewohner Sensibilisierung für die Lärmproblematik Mehrere vZEV im Aufbau |
Herausforderungen | Eine Kommunikationsform finden, die sowohl digital als auch analog und für alle Altersgruppen funktioniert Die gesamte Quartierbevölkerung ansprechen, auch die Fortgeschrittenen mit eigener Wärmepumpe und das Gewerbe So viele Menschen (75%) für einen Wärmeverbund begeistern, dass die erneuerbare Wärme erschwinglich bleibt |
Nachhaltige Perspektive | Ein Vorzeigequartier schaffen, dass sich aus erneuerbaren Quellen mit Wärme und Strom versorgt |
Tipps und Tricks | Den partizipativen Prozess an einen professionellen Anbieter delegieren Persönlichen Kontakt zur Quartierbevölkerung pflegen Dranbleiben bei der Kommunikation und laufend informieren Den Gesamtprozess möglichst kurzhalten (1,5 Jahre sind für manche zu lang.) |
Corinne Schweri Fachperson Energie und Klimaschutz Stadt Kriens corinne.schweri@kriens.ch T +41 41 329 64 71
Bildquelle Stadt Kriens