
Stefan Aeschi, Experte für Bau- und Energietechnik des Hauseigentümerverbands Schweiz (HEV Schweiz), wird regelmässig von Eigentümergemeinschaften um Unterstützung beim Heizungsersatz gebeten. Im Interview erzählt er, welche Hilfe der HEV bieten kann, mit welchen Herausforderungen man insbesondere im Stockwerkeigentum beim Heizungsersatz konfrontiert ist und welchen Vorteil die kostenlose Impulsberatung «erneuerbar heizen» bietet.
In unserer Zeitung «Der Hauseigentümer» veröffentlichen wir regelmässig Fachartikel zum Thema Heizungsersatz, die aufzeigen, wie man vorgehen soll oder wie andere Leute die Heizung ersetzt haben. Darüber hinaus bieten wir Kurse in verschiedenen Formen an – zum Beispiel als Infoveranstaltung. Aufgrund der guten Resonanz haben wir unser Kursangebot sogar ausgeweitet. So bieten wir beispielsweise vertiefte Kurse zur Planung oder zur Ausführung des Heizungsersatzes an. Zudem finden Eigentümerinnen und Eigentümer auf unserer Website zahlreiche Merkblätter, Infoartikel, die Nummer zu unserer telefonischen Rechtsberatung sowie die Kontakte zu unseren lokalen Sektionen.
Sobald Hauseigentümer merken, dass es sich nicht um ein reines Verkaufsgespräch handelt, hören sie meist interessierter zu.
Wir unterscheiden bei unserem Angebot nicht wirklich, ob Stockwerkeigentum oder nicht. Persönlich war ich jedoch schon mehrfach an Eigentümerversammlungen unterstützend dabei, weil beispielsweise beim Heizungsersatz Unstimmigkeiten bestanden, ob die Eigentümergemeinschaft der Aussage des Architekten oder des Energieplaners mehr Glauben schenken soll. In Funktion als neutraler Fachmann versuche ich, Wissenslücken zu füllen und Unstimmigkeiten zu klären. Dabei merke ich jeweils, dass diese Versammlungen sehr emotional geladen sein können. Da ist besonders wichtig, Einwände von Vorwänden der Beteiligten zu unterscheiden.
Wenn jemand das Modernisierungsvorhaben kritisiert, kann es vorkommen, dass der angeführte Grund kein ernster Einwand ist, sondern lediglich ein Vorwand. Ich habe schon erlebt, dass jemand finanzielle Bedenken gegenüber dem Heizungsersatz geäussert hat. Im Laufe der Diskussion habe ich aber gemerkt, dass diese Person lediglich den Nachbarn etwas entgegenhalten wollte. Und plötzlich geht es in der Diskussion nur noch darum, wer Recht hat. Da kann ich aus neutraler Position gut intervenieren und darauf hinweisen, dass man sich gegenseitig zuhören soll. Vorwände sind nicht produktiv. Einwände sollte man hingegen ernst nehmen. Jeder Einwand ist berechtigt, auch wenn dieser oft nur mit der persönlichen Situation zu tun hat, weil man aufgrund anderer Prioritäten vielleicht gerade keine Zeit und Energie für einen Heizungsersatz hat.
Die Impulsberatung «erneuerbar heizen» ist ein grossartiges Angebot, das auch sehr oft genutzt wird. Der grosse Vorteil ist, dass die Impulsberatung nicht produktbezogen ist. Die Beratenden verkaufen nichts, sondern zeigen neutral auf, welches Heizungssystem für die Liegenschaft am besten geeignet ist. Genau das wird geschätzt. Eigentümergemeinschaften reden lieber mit Beraterinnen und Beratern als mit Verkäuferinnen und Verkäufern – vor allem, wenn Uneinigkeit herrscht. Sobald Hauseigentümer merken, dass es sich nicht um ein reines Verkaufsgespräch handelt, hören sie meist interessierter zu.
Man sollte auf jeden Fall das Gespräch suchen, und dabei den Ist-Zustand aufzeigen und darlegen, welche Szenarien möglich sind. Man kann beispielsweise die drei Szenarien darstellen, wenn die Heizung nicht saniert wird, wenn man eine günstige Lösung wählt und wenn umfassend saniert wird. Elementar ist dabei, auf die geäusserten Einwände einzugehen und abzuklären, was es braucht, damit das Gegenüber sich umstimmen lässt. So sollte meist schnell ein Kompromiss gefunden werden können. Ansonsten gibt es noch den Rechtsweg, den ich jedoch nicht empfehlen würde.
Idealerweise klärt man frühzeitig ab, auf welches Heizungssystem gewechselt werden kann und soll. Ich empfehle jeweils, dies am Anfang des letzten Viertels der Gesamtlaufzeit der bestehenden Heizung anzugehen. Wer früh beginnt, hat genügend Zeit, Alternativen zu prüfen und sich mit der Thematik vertraut zu machen. Auch wenn nicht sofort saniert, weiss man doch bereits, was gemacht werden muss. Ausserdem lohnt sich eine Begleitung durch Fachpersonen über den gesamten Prozess, von der Abklärung bis zur Fertigstellung der Sanierung inklusive Inbetriebnahme und darüber hinaus.
Die Impulsberatung «erneuerbar heizen» unterstützt Sie bei der Planung eines Heizungswechsels. Fachpersonen zeigen Ihnen geeignete erneuerbare Heizlösungen auf und erstellen eine Übersicht zu Kosten, Fördergeldern und Steuerabzügen – kostenlos, unverbindlich und in der ganzen Schweiz.
Befassen Sie sich auch frühzeitig mit den verschiedenen Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten beim Umstieg auf ein erneuerbares Heizsystem. Mehr Informationen und wie Sie dabei vorgehen sollten, finden Sie hier:


