Klimabewusst pendeln: Vergleichen lohnt sich

Mit welchem Verkehrsmittel begeben wir uns täglich zur Arbeit? Zur Auswahl stehen meistens mehrere Alternativen. Der Vergleich mit dem Umweltrechner Verkehr zeigt die Auswirkungen unseres Entscheids auf das Klima. Doch Nachhaltigkeit ist nicht das einzige Kriterium.

Wer für den Weg zur Arbeit das Haus verlässt, gilt als Arbeitspendlerin oder Arbeitspendler. 2023 waren das in der Schweiz rund 3,7 Millionen Personen (Quelle: BFS). Im Durchschnitt legte jede und jeder von ihnen täglich fast 28 Kilometer zurück (Hin- und Rückweg) und war dafür rund eine Stunde unterwegs. Mit einem Anteil von 50 Prozent war das Auto das mit Abstand am häufigsten benutzte Verkehrsmittel vor dem ÖV mit 31 Prozent.

Ob wir uns für das Auto, den Zug oder das Velo entscheiden, hängt von verschiedenen Kriterien ab. Neben der Distanz, dem Zeitaufwand, den Kosten und dem Komfort spielt auch die Klimaverträglichkeit für immer mehr Menschen eine wichtige Rolle. Der Umweltrechner Verkehr bringt die Unterschiede an den Tag, wie die folgenden fiktiven Beispiele zeigen: Julia, Tom und Léa pendeln pro Jahr an jeweils 235 Tagen.

Pendeln in der Stadt

Julia wohnt in einem Aussenquartier von Biel und pendelt täglich 8 Kilometer (Hin- und Rückweg) ins Stadtzentrum: Dabei verbringt sie entweder eine knappe halbe Stunde im Bus oder auf dem Velo, oder sie sitzt 18 Minuten im Auto. Allerdings weiss sie, dass Autofahrten in der Innenstadt zu den Hauptverkehrszeiten deutlich länger dauern als in den Online-Tools angegeben. Der Zeitvorteil des Autos entfällt also meistens.

Infografik Pendeln in der Stadt

Preislich schneidet das Auto am schlechtesten ab: Julia errechnet Kosten von 5.20 Franken pro Arbeitstag, zusätzlich fallen in der Innenstadt hohe Parkgebühren an. Busfahren kostet sie mit einem Jahresabo für das städtische Netz nur 3 Franken. Am günstigsten ist Velofahren mit täglichen Kosten von 1.70 Franken – inklusive sicheren Abstellplatz in der Velostation beim Bahnhof.

Punkto Treibhausgasemissionen sind die Unterschiede gross. Die Hin- und Rückfahrt mit dem Auto verursacht einen Ausstoss von 1938 g CO2-Äquivalenten (CO2e), was sich im Jahr auf 455 kg summiert. Für die Fahrt mit dem elektrischen Trolleybus errechnet sie jährliche Treibhausgasemissionen von 72,5 kg CO2e. Am umweltfreundlichsten ist die Fahrt mit dem Velo, die übers Jahr mit nur 10,5 kg CO2e zu Buche schlägt. Und das Zweirad hat noch einen gewichtigen Vorteil: Wer pro Woche mindestens 150 Minuten Velo fährt, erfüllt bereits die minimale Bewegungsempfehlung für Erwachsene des Bundesamts für Gesundheit. Julias Pendelstrecke eignet sich dafür ideal.

Von der Agglomeration ins Zentrum

Für Tom beläuft sich die schnellste Strecke aus seiner Wohngemeinde Münchenbuchsee zum Arbeitsort im Stadtzentrum von Bern und wieder nach Hause je nach Verkehrsmittel auf 21 (mit dem Velo) bis 25 Kilometer (mit dem Auto). Mit seinem schnellen E-Bike und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 km/h beträgt die tägliche Fahrzeit nur wenig mehr als mit dem Auto, nämlich 42 statt 40 Minuten. Da können Zug kombiniert mit Bus mit rund 68 Minuten (inklusive 24 Minuten Fussmarsch) nicht ganz mithalten.

Infografik Pendeln in der Stadt

Was die Treibhausgasemissionen anbelangt, führt das E-Bike mit 54 kg CO2e pro Jahr vor dem ÖV (283 kg). Das Auto ist beim Kriterium Umwelt klarer Verlierer: Auf 1423 kg CO2e summiert sich der jährliche Ausstoss. Auch bei den Kosten hat das Auto einen schweren Stand: Die jährliche Pendelstrecke von 5875 Kilometer kostet Tom gut 3800 Franken (ohne Parkplatzmiete), mit dem E-Bike nur knapp 1000 Franken. Das ÖV-Jahresabo ist mit 1116 Franken eine valable Alternative.

Ebenfalls geprüft hat Tom die Möglichkeit, eine Fahrgemeinschaft zu bilden. Warum allein im Auto sitzen, in dem mehrere Personen Platz hätten? Mit «Carpooling» lassen sich die Kosten fürs Pendeln unter den Mitgliedern der Fahrgemeinschaft aufteilen. Und jeder zusätzlich belegte Sitz im Auto bedeutet, dass ein anderes Auto an diesem Tag nicht fährt. Damit lässt sich der Treibhausgasausstoss aller Beteiligten massiv senken. Tom will deshalb bei seinem Arbeitgeber eine interne Umfrage lancieren: «Biete Mitfahrgelegenheit auf der Strecke Münchenbuchsee Bern. Bei Interesse bitte melden!»

Von Stadt zu Stadt

Für Léa kommen Velo und E-Bike zum Pendeln nicht in Frage. Von Ihrem Wohnort in der Unterstadt von Freiburg bis ins Büro im Lausanner Quartier Flon und wieder zurück legt sie mit dem Auto täglich 158 Kilometer zurück, das sind übers Jahr gut 37 000 Kilometer. Entsprechend hoch sind die Treibhausgasemissionen: Sie betragen fast 9 Tonnen CO2e. Das ist 15-mal so viel wie jeder Mensch höchstens verursachen darf, damit das Klima nicht weiter aus dem Gleichgewicht gerät («planetare Belastbarkeitsgrenze»). Der jährliche Pro-Kopf-Ausstoss in der Schweiz (ohne importierte Güter und Dienstleistungen) beläuft sich auf rund 5 Tonnen CO2e, davon stammt rund ein Drittel aus dem Bereich Verkehr.

Infografik Pendeln in der Stadt

Das Beispiel von Léa zeigt: Wer beim Pendeln auf langen Strecken vom Auto auf ein umweltfreundlicheres Verkehrsmittel umsteigt, leistet einen substanziellen Beitrag zum Schutz des Klimas. Bereits der Wechsel auf ein E-Auto würde ihren jährlichen Treibhausgasausstoss von knapp 9 auf 4,1 Tonnen CO2e senken. Noch einmal deutlich besser sieht Léas Umweltbilanz mit dem ÖV (Bus, Zug und Metro) aus: Die jährlichen Treibhausgasemissionen belaufen sich hier noch auf 298 kg CO2e.

Beim zeitlichen Aufwand fürs Pendeln sind die Unterschiede zwischen ÖV (im besten Fall 134 Minuten) und Auto (132 Minuten, bei Stau aber oft deutlich länger) gering. Gegen das Auto sprechen gesundheitliche Aspekte: Die langen Fahrten im Pendelverkehr empfindet Léa als stressig. Beim Lesen eines Buchs im 1.-Klasse-Abteil im Zug kann sie sich hingegen gut entspannen. Und auch der Kostenfaktor spricht klar für den ÖV: Das Generalabonnement 1. Klasse kostet 6520 Franken, die Vollkostenrechnung beim Auto beläuft sich auf rund 14 852 Franken im Jahr.

Schliesslich gibt es noch eine weitere Möglichkeit, wie Léa ihre Umweltbilanz und gleichzeitig ihre Lebensqualität verbessern kann: Wenn sie wöchentlich einen Tag im Homeoffice anstatt im Büro in Lausanne arbeitet, reduziert sie ihren Treibhausgasausstoss um einen Fünftel. Zudem verbringt sie übers Jahr über 100 Stunden weniger mit Pendeln – Zeit, die sie mit angenehmeren Tätigkeiten verbringen kann.

And the winner is…

Julia aus Biel hat sich beim Pendeln für das Velo entschieden – innerorts praktisch, günstig, umweltfreundlich und gut für die Fitness. Wenn es stark regnet oder schneit, nutzt sie das gut ausgebaute ÖV-Angebot in der Stadt.

Auch Tom will bei schlechtem Wetter Bus und Bahn nutzen. Normalerweise setzt er für die Fahrt durch die Agglomeration von Bern aber auf sein schnelles E-Bike. Mit diesem Mix hält sich sein Treibhausgasausstoss in engen Grenzen. «Carpooling» bleibt für ihn eine Option, die er nun weiterverfolgt.

Léa schliesslich ist beim Berechnen ihrer Pendelstrecke von Freiburg nach Lausanne bei der Variante Auto über zwei Zahlen erschrocken: Die Kosten und die Treibhausgasemissionen. Sie empfindet die Fahrt mit dem ÖV wegen dem zweimaligen Umsteigen zwar als etwas umständlicher, letztlich aber doch viel erholsamer. Einen Tag pro Woche verbringt sie neu im Homeoffice.

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