Eine Werkstätte mit hohem Energiebedarf
Die MPW AG ist eine mechanische Werkstätte in Weinfelden im Kanton Thurgau. Rund 25 Mitarbeitende fertigen mit etwa 35 CNC-Maschinen präzise Bauteile. Der Betrieb arbeitet im 1-Schicht-Betrieb und nutzt eine Industriefläche von rund 1'300 bis 1'400 m².
Der Energiebedarf ist entsprechend hoch. Bereits 2019 liess das Unternehmen eine erste Energieverbrauchsanalyse durchführen. Seither hat die MPW AG mehr als 1 Mio. Franken in Energieeffizienz und eigene Energieproduktion investiert.
Heute zeigt ein Netto-Null-Fahrplan, wie sich die bisherigen Massnahmen auswirken – und wo weitere Potenziale liegen.
Einzelne Massnahmen verändern das ganze System. Erst das Zusammenspiel von Solaranlage, Speicher und Wärmepumpen – gesteuert durch ein cleveres Monitoring – bringt uns dem Ziel Netto-Null Schritt für Schritt näher.
Vieles ist bereits umgesetzt
Die MPW AG hat in den vergangenen Jahren zentrale Schritte unternommen:
Die frühere Gasheizung wurde durch zwei Luft-Wasser-Wärmepumpen ersetzt.
Auf Haupt- und Nebengebäuden wurde eine grosse Solaranlage installiert.
Ein Zusammenschluss zum Eigenverbrauch verbessert die Nutzung des selbst produzierten Solarstroms.
Ein Batteriespeicher hilft, Lastspitzen zu optimieren.
Mehrere Elektrofahrzeuge und Ladepunkte wurden beschafft.
Die Abwärme der Druckluftkompressoren wird teilweise genutzt.
Zusätzliche Wärme- und Stromzähler sowie ein Energiemanagement-System schaffen Transparenz.
Diese Kombination macht die Entwicklung messbar. Genau das ist entscheidend: Wer den Energieverbrauch kennt, kann gezielt handeln.
Monitoring macht Standby-Verluste sichtbar
Ein wichtiger Befund aus der Analyse betrifft die Standby-Verluste. Die zusätzlichen Zähler und das Energiemanagement-System zeigten, welche Anlagen auch dann Strom verbrauchen, wenn sie nicht produzieren.
Gerade bei CNC-Anlagen kann das viel ausmachen. Der Netto-Null-Fahrplan zeigt ein Einsparpotenzial von rund 75'000 kWh Strom pro Jahr durch die Reduktion von Standby-Verlusten. Die geschätzte Amortisationszeit liegt bei rund zwei Jahren.
Damit wird sichtbar: Nicht jede Massnahme beginnt mit einer grossen Investition. Manchmal reicht es, Abläufe und Abschaltungen konsequent zu überprüfen.
Solaranlage, Speicher und Ladeinfrastruktur wirken zusammen
Die MPW AG hat ihre Solaranlage stark ausgebaut. Die installierte Leistung liegt bei rund 350 kWp. Der Jahresertrag wird je nach Jahr und Zustand der Anlage auf rund 275 bis 330 MWh geschätzt.
Auch hier zeigt die Analyse konkrete nächste Schritte. Die Reinigung der Solaranlage kann den Ertrag verbessern. Der Bericht geht von rund 20'000 kWh zusätzlichem Stromertrag pro Jahr aus. Damit können Verluste durch Verschmutzung reduziert werden.
Der Batteriespeicher und die Ladeinfrastruktur eröffnen weitere Möglichkeiten. Solarstrom kann besser im Betrieb genutzt, Lastspitzen können gebrochen und Elektrofahrzeuge gezielt geladen werden.

Luftaufnahme des Dachs der MPW AG.
Netto-Null-Fahrplan als Werkzeug für die Planung
Der Netto-Null-Fahrplan der MPW AG betrachtet direkte und indirekte Treibhausgasemissionen aus dem Betrieb. Er zeigt, wie sich Energieverbrauch und Emissionen seit 2016 entwickelt haben und welche Massnahmen in den kommenden Jahren sinnvoll sind.
Das Ergebnis ist keine einmalige Liste, sondern ein Planungsinstrument. Denn Massnahmen beeinflussen sich gegenseitig: Eine Wärmepumpe senkt den Verbrauch fossiler Energie, erhöht aber den Strombedarf. Eine Solaranlage reduziert den Strombezug aus dem Netz, braucht aber regelmässige Kontrolle. Ein Speicher verbessert die Eigenverbrauchsoptimierung, wenn er richtig gesteuert wird.
Deshalb empfiehlt der Fahrplan, die Entwicklung alle drei bis fünf Jahre neu zu beurteilen.
Der nächste Schritt: weitere Potenziale vertiefen
Für die MPW AG stehen nun weitere Massnahmen im Fokus. Dazu gehören unter anderem:
Optimierung der Lüftungszeiten
systematische Behebung von Druckluft-Leckagen
Reinigung und laufende Kontrolle der Solaranlage
Reduktion von Standby-Verlusten bei CNC-Anlagen
Betriebsoptimierung mit Energiemonitoring
Prüfung einer Erweiterung von Speicherleistung und Speicherkapazität
Damit bleibt der Betrieb auf Kurs – und kann wirtschaftliche Massnahmen Schritt für Schritt umsetzen.
Möchten auch Sie wissen, wie Ihr Unternehmen Energie effizienter nutzt und einen Netto-Null-Fahrplan aufbaut? Eine professionelle Energieberatung unterstützt Sie dabei, den Ist-Zustand zu erfassen, Massnahmen zu priorisieren und die nächsten Schritte zu planen.


