Volatile Energiepreise und ambitionierte Klimaziele erhöhen den Druck auf die Milchverarbeiter. Eine Pinch-Analyse weist systematisch den Weg für tiefere Energiekosten und CO₂-Emissionen. Das Beispiel Emmi Dagmersellen belegt: Der Nutzen geht weit über technische Optimierungen hinaus.

Am Anfang stand bei Emmi am Standort Dagmersellen eine einfache, aber entscheidende Frage: Lässt sich die im Kühlwasser vorhandene Energie mit einer Wärmepumpe sinnvoll nutzen? Um diese Frage fundiert zu klären, empfahl die Hochschule Luzern (HSLU) eine Pinch-Grobanalyse, die gemeinsam mit dem Pinch-Experten Peter Liem von der Flimatec AG umgesetzt wurde. Die Pinch-Grobanalyse wurde finanziell durch EnergieSchweiz unterstützt.
Emmi verfolgt ehrgeizige Ziele zur Reduktion von CO₂-Emissionen und Betriebskosten. Allein am Standort Dagmersellen werden jährlich rund 68 GWh Erdgas verbraucht – ein Kostenblock von mehreren Mio. Franken. Bei dieser Grössenordnung entscheidet ein strukturierter Blick auf die Energieflüsse direkt über Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit. Auch wenn der grösste Teil der Emissionen bei den Milchlieferanten – im sogenannten Scope 3 – anfällt, setzt Emmi ebenfalls klare Prioritäten bei den eigenen Anlagen und Prozessen (Scope 1). Die Pinch-Analyse erwies sich dabei als wirksames Instrument, um wirtschaftlich tragbare Reduktionspfade sichtbar zu machen.
Erdgasverbrauch: 68 GWh pro Jahr
Jährliche Gaskosten: mehrere Mio. Franken
Wirtschaftliches Einsparpotenzial (gemäss Pinch-Analyse): über 10 %
Investitionskosten für die Umsetzung: 800’000 Franken
Jährliche Betriebskosteneinsparungen: 820’000 Franken
Amortisationszeit: weniger als ein Jahr
Der Proof of Concept bei Emmi zeigte, dass die in der Grobanalyse identifizierten Einsparungen sogar übertroffen werden können.
Bereits die Grobanalyse zeigte mögliche Einsparungen von rund 4 GWh Erdgas – rund 6 % des Verbrauchs. Die vertiefte Pinch-Analyse legte noch mehr Potenzial offen: Mit sechs gezielten Massnahmen, darunter zusätzliche Wärmerückgewinnungen und grössere Wärmeübertragerflächen, lässt sich der Gasverbrauch um über 10 % senken. Das bedeutet jährliche Einsparungen von mehr als 820’000 Franken. Die Investition für die Umsetzung von rund 800’000 Franken amortisierte sich schon im ersten Jahr – bei gleichzeitiger Reduktion des jährlichen CO₂-Ausstosses um rund 1500 Tonnen.
Für Patrick Kunz, Nachhaltigkeitsbeauftragter bei Emmi Dagmersellen, war der fachliche Austausch mit Pinch-Berater Peter Liem besonders wertvoll. «Der Blick von aussen hilft, gewachsene Strukturen neu zu verstehen und ungenutzte Potenziale zu erkennen», so Kunz. «Und hat damit unser Wissen über den Prozess und wie die Energie- und Medienversorgung optimal miteinander verknüpft werden erweitert.»
Entscheidend war die ganzheitliche Betrachtung: Nicht jede technisch mögliche Massnahme wurde umgesetzt – beispielsweise verzichtete Emmi auf die Rückgewinnung der «letzten» Prozessabwärme, um Hygienerisiken und zusätzlichen Reinigungsaufwand zu vermeiden. Gerade bei solchen Fragen erwies sich der Dialog zwischen internen Fachpersonen und externem Experten als wichtiger Erfolgsfaktor.
Emmi nutzte die Pinch-Analyse gezielt über den reinen Energieaspekt hinaus. Der strukturierte Prozess förderte Innovation im eigenen Team und führte zu Folgeprojekten, etwa zur Verminderung des Wasserverbrauchs. Für die Geschäftsleitung war derNutzen der Pinch-Analyse rasch erkennbar. Dass EnergieSchweiz die Analyse finanziell unterstützte, erleichterte die Entscheidung für das Projekt. Kunz betont jedoch, dass neben dem finanziellen Aspekt ebenso entscheidend war, dass die Geschäftsleitung von Emmi intern eine engagierte und kompetente Person mit ausreichenden Ressourcen für die Projektleitung bestimmte.