Projektaufruf statt Vernehmlassung: das Rezept der Gemeinde Val de Bagnes

Die Gemeinde Val de Bagnes lädt seine Bevölkerung ein, ihre Lebensqualität von morgen mitzugestalten. Der jährliche Projektaufruf kostet die Gemeinde zwei Franken pro Kopf – und brachte 14 Eingaben.

Mehrere Personen stehen vor einem Marktstand mit Jungpflanzen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Modell, das gezielt auf spezifische kommunale Prioritäten ausgerichtet ist – von der Energiewende bis zur Verbesserung des sozialen Zusammenhaltes.

  • Eine langfristig gesicherte jährliche Finanzierung von 2 CHF pro Einwohnerin/Einwohner.

  • Ein Auswahlverfahren auf der Grundlage eines objektiven Bewertungsrasters.

  • Eine konstruktive Begleitung aller Projekte – auch jener, die nicht berücksichtigt werden.

Wie lässt sich die Bevölkerung mobilisieren, um die Region zu beleben, ohne die Verwaltung zu überlasten?

Um diese Herausforderung zu meistern, hat die Gemeinde Val de Bagnes einen jährlichen Projektaufruf ins Leben gerufen, der aus dem ordentlichen Budget mit 2 CHF pro Einwohnerin und Einwohner und Jahr finanziert wird.

Das Prinzip ist einfach: Die Gemeinde legt prioritäre Themen fest. Alle Personen, die eine Idee einreichen, welche die definierten Kriterien erfüllt, können für deren Umsetzung eine finanzielle Unterstützung von bis zu 5000 CHF beantragen.

Während der von der Gemeinde definierte Rahmen (im Rahmen ihres Konzepts «Villages 2040») verschiedene Nachhaltigkeitsthemen abdecken soll (Energiewende, Mobilität, sozialer Zusammenhalt, Klimawandel, lokale Wirtschaft und Zugang zu Wohnraum), konzentrierte sich die Ausgabe 2026 auf den sozialen Zusammenhalt und die lokale Wirtschaft in den Dörfern.

Mit diesem Ansatz fördern wir konkrete Projekte, die von der Bevölkerung getragen werden und den Bedürfnissen vor Ort entsprechen.
Fabien Sauthier, Gemeindepräsident von Val de Bagnes

Ein klarer und reibungsloser Auswahlprozess

Die Verwaltung erhielt 14 Projekte von Bürgergruppen und lokalen Vereinen. Um eine Gleichbehandlung zu sicherzustellen, musste jedes Dossier eine Reihe von Kriterien erfüllen, etwa von zehn Einwohnerinnen und Einwohnern mitunterzeichnet sein, keinen Erwerbszweck verfolgen und innerhalb eines Jahres umsetzbar sein.

Anschliessend wurden die Projekte anhand eines detaillierten Bewertungsrasters geprüft. Beurteilt wurden beispielsweise die technische Machbarkeit und der Innovationsgrad. Diese Vorauswahl, ergänzt durch die Einschätzung der kommunalen Fachdienste, ermöglichte es dem internen Steuerungsausschuss, die Dossiers mit voller Objektivität zu begutachten, bevor der endgültige Entscheid getroffen wurde.

Konkrete Projekte für mehr Lebensqualität

Mit dem verfügbaren Budget, das entsprechend der Rangierung der Projekte vergeben wurde, konnten fünf Gewinnerprojekte mit jeweils bis zu 5000 CHF unterstützt werden. Die ausgewählten Initiativen betreffen den Dorfalltag: die Einrichtung eines «Third Place» in ungenutzten Räumlichkeiten, die Gründung eines Filmclubs oder die Organisation mobiler Schnupperworkshops für Skateboarding.

Um das Engagement der Bevölkerung nicht auszubremsen, zeigte die Gemeinde den nicht berücksichtigten Projektgruppen nach Möglichkeit auf, wie sie ihre Dossiers weiterentwickeln könnten. Die Gewinnerinnen und Gewinner profitieren zudem von der Beratung durch die Gemeinde, um ihr Projekt erfolgreich umzusetzen.

Jetzt sind Sie an der Reihe!

Möchten auch Sie einen Projektaufruf organisieren oder von einem partizipativen Budget profitieren? Auf unserer Seite zu partizipativen Budgets finden Sie weiterführende Informationen. Dort erhalten Sie praktische Tipps und wichtige Fragen, die Sie sich stellen sollten, um ein solches Projekt in Ihrer Gemeinde erfolgreich umzusetzen.

Häufige Fragen

Das Projekt im Überblick

Kosten und Finanzierung

Jährlich wiederkehrender Beitrag von 2 CHF pro Einwohnerin und Einwohner aus dem ordentlichen Gemeindebudget. Die direkte finanzielle Unterstützung ist auf maximal 5000 CHF pro ausgewähltem Projekt begrenzt; eine externe Kofinanzierung ist möglich.

Zeitdauer

Dauerhaftes, jährlich wiederkehrendes Instrument im Rahmen der Initiative «Villages 2040», verknüpft mit dem Legislaturprogramm 2025–2028.

Iterativer Prozess mit 3 Schlüsselphasen pro Jahr: Einreichung (Januar–Februar), Bewertung (April–Mai), Umsetzung (ab Juni).

Involvierte Akteure

Lokale Bevölkerung (Kollektive von mindestens 3 Personen), Vereine, lokale Unternehmen.  Delegierter für Wirtschaftsförderung, Delegierte für nachhaltige Entwicklung, Gemeinderat, externes Beratungsbüro.

Erfolge

14 Bürgerprojekte wurden bereits bei der ersten Ausgabe spontan eingereicht. Fünf Gewinnerprojekte wurden finanziert und auf Dorfebene umgesetzt.

Herausforderungen

Ausreichend kommunizieren, um zur Einreichung von Dossiers zu ermutigen, die Projekte fair und objektiv auswählen, die Beteiligung von bisher noch nicht aktiven Bevölkerungsgruppen fördern.

Nachhaltige Perspektive

Der regulatorische Rahmen in Form einer Richtlinie legt gezielt die zu behandelnden Themen fest, beispielsweise die Energiewende oder innovative Mobilität. Dadurch können Projekte entstehen, die mit der öffentlichen Nachhaltigkeitspolitik im Einklang stehen.

Hinweise/Besonderheiten

Es wurde besonderer Wert darauf gelegt, nicht berücksichtigte Projekte neu auszurichten und das bürgerschaftliche Engagement aufrechtzuerhalten.

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