50‘000 Impulsberatungen in Richtung erneuerbar heizen

Ende 2025 konnte EnergieSchweiz einen besonderen Meilenstein feiern: Seit dem Start des Bundesförderprogramms «erneuerbar heizen» im April 2022 wurden bereits 50’000 Impulsberatungen durchgeführt. Damit zeigt das Programm erneut seine Bedeutung für die Umstellung auf erneuerbare Heizsysteme in der Schweiz.

Während der Impulsberatung beim Restaurant Bahnhöfli schaut sich der Berater Lukas Zemp den Heizungskeller genauer an.

Der Ersatz einer Heizung ist selten eine spontane Entscheidung. Für viele Hauseigentümerinnen und -eigentümer sind zuerst verschiedene Fragen zu klären: Welche Technologie passt zum Gebäude? Wie hoch sind die Investitionskosten? Lohnt sich der Umstieg langfristig? Mit der kostenlosen Impulsberatung «erneuerbar heizen» setzt EnergieSchweiz genau an diesem Punkt an. Seit dem Start im April 2022 wurden insgesamt über 50’000 Beratungen durchgeführt. Davon entfielen 37’368 auf Einfamilienhäuser sowie Mehrfamilienhäuser mit weniger als sechs Wohneinheiten und Nicht-wohnbauten bis 30 kW Heizleistung. Weitere 12’953 Beratungen betrafen grössere Mehrfamilienhäuser, Gebäude mit Stockwerkeigentum sowie Nichtwohnbauten über 30 kW Heizleistung. Rund 2000 aus- und weitergebildete Fachpersonen aus der Energie- und Heizungsbranche setzen das Angebot vor Ort um. Sie besuchen die Gebäude, analysieren die Ausgangslage und zeigen auf, welche erneuerbaren Heizsysteme technisch, wirtschaftlich und betrieblich sinnvoll sind.

Viele Menschen wissen, dass sie weg von Öl oder Gas wollen, aber nicht, wie sie den ersten Schritt machen sollen. Die Impulsberatung gibt genau diesen Startpunkt.
Jérémy Dupuy, Impulsberater

Von der Beratung zur Umsetzung: Christian Trachsel in Marin

Ein solcher Startpunkt war die Impulsberatung auch für Christian Trachsel, Eigentümer eines Reihenhauses in Marin am Neuenburgersee. Fast zwanzig Jahre lang hatte er sein Haus mit Gas beheizt. Die Gebäudehülle war gut, der Verbrauch moderat, womit kein akuter Handlungsdruck bestand. Trotzdem begann Christian Trachsel umzudenken. «Die Pandemie, der Krieg in der Ukraine und die zunehmenden Naturereignisse haben mir gezeigt, wie abhängig wir von fossilen Energien sind», sagt er. Bereits 2021 hatte er eine Photovoltaikanlage installiert. Die Frage war nun, wie sich diese sinnvoll für Heizung und Warmwasser nutzen liesse.

Im Rahmen der Impulsberatung analysierte Jérémy Dupuy das Gebäude. Das Ergebnis war eindeutig: Eine Erdwärmepumpe eignete sich optimal – dank guter Dämmung, Fussbodenheizung und bestehender Photovoltaikanlage. «Das Haus war ideal. In solchen Fällen können wir sehr effizient auf erneuerbare Systeme umstellen», erklärt Dupuy. Die Entscheidung war dennoch nicht trivial. In Seenähe sind Erdwärmebohrungen nicht überall erlaubt. Doch Trachsel hatte Glück: Die geologischen Bedingungen erlaubten Bohrungen bis 120 Meter Tiefe. Zwei Monate nach der Entscheidung lag die Bewilligung vor, im August 2023 ging die Anlage in Betrieb.

Christian Trachsel und Jérémy Dupuy im Gespräch während der Impulsberatung.

Christian Trachsel und Jérémy Dupuy im Gespräch während der Impulsberatung.

Ein Jahr später zeigte sich die Wirkung eindrücklich: Der Energieverbrauch sank 2024/25 von über 10’000 kWh auf 2100 kWh pro Heizsaison. Die Energiekosten reduzierten sich um rund 2000 Franken pro Jahr, gleichzeitig konnten die CO₂-Emissionen deutlich gesenkt werden. «Ich überprüfe jede Woche meinen Zähler und die Ergebnisse sind besser, als ich erwartet habe», berichtet Christian Trachsel. Doch die Geschichte endet nicht beim eigenen Haus.

Die Impulsberatung hat mir geholfen, die richtige Lösung zu finden. Dass meine Nachbarn mitgemacht haben, zeigt ihre Überzeugung für nachhaltige Energienutzung.
Christian Trachsel, Eigentümer eines Reihenhauses in Marin

Christian Trachsel suchte bewusst das Gespräch mit seinen Nachbarn. Das Quartier besteht aus zehn baugleichen Häusern. Ein Nachbar entschied sich sofort für den gleichen Schritt, zwei weitere folgten später. Die Bohrarbeiten konnten teilweise gemeinsam durchgeführt werden – mit positiven Effekten auf Kosten und Organisation. «Wir haben einen echten Schneeballeffekt erlebt», sagt Impulsberater Dupuy. «Solche Beispiele zeigen, wie gross die Wirkung einer einzelnen Entscheidung sein kann.».

Erneuerbar heizen im Gewerbe: Restaurant Bahnhöfli in Entlebuch

Das Restaurant Bahnhöfli in Entlebuch feiert 2026 sein 125-jähriges Bestehen. Trotz des Alters wirkt das Gebäude modern – kontinuierliche Sanierungen haben dies möglich gemacht. Die Ölheizung aus 1997 näherte sich jedoch ihrem Lebensende, und die Heizölpreise stiegen kontinuierlich. Für Inhaber Willi Felder war daher klar: Ein Ersatz musste her, und die neue Heizung sollte fossilfrei sein. Da er die verschiedenen Heizsysteme nicht im Detail kannte, fiel ihm die Entscheidung zunächst schwer. Mehrere Gäste empfahlen ihm die Impulsberatung «erneuerbar heizen». Er vereinbarte noch am selben Tag einen Termin und nahm die Gelegenheit wahr, sich fundiert beraten zu lassen. Während der Beratung analysierte Impulsberater Lukas Zemp den Heizungsraum, das Gebäude und die Nutzung des Restaurants. Die alte Heizung war massiv überdimensioniert: Sie leistete 135 kW, obwohl für den tatsächlichen Bedarf nur rund 30 kW nötig waren. Dies zeigt, wie wichtig heute eine korrekte Dimensionierung bei erneuerbaren Heizsystemen ist.

Während der Impulsberatung beim Restaurant Bahnhöfli schaut sich der Berater Lukas Zemp den Heizungskeller genauer an.

Während der Impulsberatung schaut sich der Berater den Heizungskeller genauer an.

Zemp empfahl eine Sole-Wasser-Wärmepumpe, die sich optimal mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach kombinieren lässt. Dadurch könnten nicht nur Heizung und Warmwasser effizient betrieben werden, sondern die Anlage würde im Sommer auch eine Kühlfunktion bieten. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, in den kommenden Jahren an das geplante Fernwärmenetz von Entlebuch angeschlossen zu werden. «Die Impulsberatung hat mir sehr gut aufgezeigt, welche erneuerbaren Heizsysteme realistisch sind und was für das Bahnhöfli am besten passt», sagt Felder. Mit der Beratung im Rücken plant Felder nun konkrete Offerten einzuholen, Fördermittel zu prüfen und die Ölheizung möglichst bald zu ersetzen. Zusätzlich lässt er einen GEAK Plus erstellen, den Gebäudeausweis der Kantone, um weitere Effizienzpotenziale des Gebäudes zu identifizieren.

Es geht nicht nur um den Heizungsersatz, sondern um eine langfristige, nachhaltige Strategie für das Gebäude.
Willi Felder, Inhaber Restaurant Bahnhöfli

Die Impulsberatung liefert damit eine verlässliche Grundlage für Entscheidungen, die den Betrieb langfristig energieeffizient, kostensparend und nachhaltig machen – und gleichzeitig eine klare Perspektive für die Nutzung von erneuerbarer Wärme schaffen.

Zahlen, die Wirkung zeigen

Die Fallbeispiele von Christian Trachsel und Willi Felder stehen stellvertretend für tausende von Beratungen im Jahr 2025. Total gingen 2025 14’194 Gesuche für Förderbeiträge ein – davon 9822 von kleineren Gebäuden bis 30 kW und 4372 von grösseren Gebäuden ab 30 kW. Ein entscheidender Erfolgsfaktor bleibt die breite Abstützung des Programms. Rund 70 Programmpartnerorganisationen machen regelmässig auf die Impulsberatung aufmerksam. Dazu gehören unter anderem Minergie, Fach- und Hauseigentümerverbände, Finanzinstitute sowie kantonale Energiefachstellen. «Diese Partnerschaften sind zentral. Sie schaffen Vertrauen und sorgen dafür, dass unsere Angebote genau dort unterstützen können, wo die Zukunft des Hauseigentums Thema ist.», erklärt Thomas Jud, Programmleiter «erneuerbar heizen». Ab 2026 werden die Angebote von «erneuerbar heizen» neu Teil von EnergieSchweiz für die Zielgruppe Private und auf Heizung ersetzen gebündelt. Eigentümerinnen und Eigentümer finden dort alle Informationen zur Impulsberatung, eine Postleitzahlsuche für Beratende sowie einen Heizkostenrechner, mit dem sich Investitions-, Energie- und Unterhaltskosten verschiedener Heizsysteme vergleichen lassen.

Wir unterstützen Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer mit Informationen, der Impulsberatung und dem Heizkostenrechner in ihrem Entscheidungsprozesse beim Heizungsersatz
Thomas Jud, Programmleiter «erneuerbar heizen»

Mit 50’000 erreichten Beratungen, konkreten Umsetzungen und persönlichen Erfolgsgeschichten zeigt das Programm auch 2025, wie ein gezielter Impuls nachhaltige Entscheidungen auslösen kann – in Wohngebäuden, Unternehmen und ganzen Quartieren.

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