Vom Elektro- zum Erdwärmesystem: So gelingt der Heizungsersatz in der Nachbarschaft

Wegen nähernden Sanierungsfristen wollten die Eigentümerinnen und Eigentümer von sechs aneinandergebauten Häusern in Lyss ihre zentralen Elektroheizungen auf ein nachhaltigeres Heizsystem wechseln. Ein Energieberater riet zu einer Erdsonden-Wärmepumpe – und empfahl, gleichzeitig die Elektroboiler zu ersetzen. Eigentümer Markus Sahli erklärt, wie die Planung und Sanierung abliefen.

ein Mann vor seinem Haus

Das Wichtigste in Kürze

  • Wechsel von Elektroheizung und Elektroboiler zu Erdsonden-Wärmepumpe

  • Sechs Nachbarn spannten für zentrale Lösung zusammen

  • Frühzeitige Energieberatung war wichtig

  • Reduktion Stromverbrauch um 70%

Wer in den 1980er-Jahren baute, setzte oft auf die damals gängige Technologie: Elektrospeicher-Heizungen. Doch was vor vier Jahrzehnten Standard war, ist heute ein Auslaufmodell: Der Neubau oder 1:1-Ersatz von Elektroheizungen ist schweizweit verboten. Dass der Wechsel zu einer nachhaltigeren Lösung nicht nur technisch, sondern auch organisatorisch gelingen kann – und dabei sogar den Zusammenhalt in der Nachbarschaft fördert –, zeigt das Beispiel einer Siedlung mit sechs aneinandergebauten Einfamilienhäusern im bernischen Lyss. Bis vor wenigen Jahren verfügte jedes der sechs Gebäude über eine eigene zentrale Elektroheizung und einen eigenen Elektroboiler. Für die Eigentümerinnen und Eigentümer stand schon länger fest, dass diese Geräte über kurz oder lang erneuert werden müssen. Denn im Kanton Bern gilt eine Sanierungspflicht für Elektrodirektheizungen bis Ende Dezember 2031 und für Elektroboiler bis Ende Dezember 2042.

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Luftaufnahme mehrerer Häuser

Expertenempfehlung: Heizung und Boiler gleichzeitig ersetzen

Eine der Eigentümerinnen schlug vor, dass die Nachbarn sich für eine zentrale Lösung zusammenschliessen könnten. Zunächst wurden verschiedene Optionen diskutiert – von der Luft-Wasser-Wärmepumpe über Pelletheizungen bis hin zu einem Fernwärmeanschluss. Den entscheidenden Anstoss für das heutige Projekt gab dann die fundierte Analyse eines Energieberaters im Jahr 2023. «Der Experte empfahl eine gemeinsame Erdsonden-Wärmepumpe mit gleichzeitigem Ersatz der Elektroboiler», erklärt Eigentümer Markus Sahli, der von Anfang an am Projekt beteiligt war.

Energieberater unterstützte tatkäftig

Der Enbergieberater entwickelte für alle sechs Häuser ein stimmiges Gesamtkonzept und wies die Nachbarn auf Förderbeiträge hin, die sie geltend machen können. Auch um die Bewilligung für die Bohrungen der Erdsonde kümmerte er sich. Da die Häuser noch kein Wärmeverteilsystem hatten, bestanden anfänglich Bedenken zu den aufwändigen Bohrungen der Leitungen. Der Energieberater konnte diese Bedenken jedoch ausräumen. Markus Sahli meint: «Rückblickend ist es erstaunlich, wie schnell wir uns in der Nachbarschaft einig waren und in die Umsetzung gehen konnten, obwohl es für jede Familie natürlich eine Investition war.» Als einzige Herausforderung erwies sich die Suche nach einem geeigneten Standort für die Wärmepumpe und den Boiler. Die Lösung lag schliesslich direkt vor der Haustür: Neben den Garagen befand sich ein kleiner ungenutzter Spickel, der flächenmässig genau passte. So stand dem Umbau nichts mehr im Weg.

Effizienter Umbau innert weniger Monate

Der Umbau erfolgte in mehreren Etappen ab dem Frühjahr 2024 – optimal zwischen den Heizperioden. Zunächst wurden die alten Elektroheizungen zurückgebaut. Es folgten die notwendigen Kernbohrungen und das Durchziehen der neuen Wärme- und Warmwasserleitungen unter den Häusern innerhalb weniger Tage. Auch die neuen Wandradiatoren wurden verbaut. Für die Erdsonde mussten im Juli drei Bohrlöcher auf 240 Meter Tiefe gebohrt werden. Im letzten Schritt fand im August der Bau des kleinen Gebäudes neben den Garagen – die zukünftige Heizzentrale – statt. Ende September 2024 ging die neue Anlage dann auch schon in Betrieb. Trotz der umfangreichen Arbeiten konnten die Bewohner während der gesamten Zeit in ihren Häusern bleiben. Positiv überrascht war Sahli zudem von der sauberen Arbeitsweise: «Ich hatte anfangs Bedenken vor dem Schmutz durch die Bohrungen. Doch die Firma hat das professionell mit Absaugvorrichtungen gelöst.»

ein Mann im Heizungskeller

Markus Sahli war als einer von sechs Nachbarn von Anfang an am Projekt beteiligt und zeigt sich heute überaus zufrieden mit der neuen Lösung.

Überzeugende Bilanz nach zwei Jahren Inbetriebnahme

Die Bilanz nach den ersten Betriebsjahren ist überaus positiv. «Die Wärmepumpe ist wirklich eine gute Sache. Der Energieverbrauch konnte im Vergleich zur alten Heizlösung um rund 70 Prozent reduziert werden», erklärt Sahli. Das Projekt geht mittlerweile zudem über den reinen Heizungsersatz hinaus. Die Nachbarschaft hat kürzlich einen Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) gegründet, um auch den Strom der Photovoltaikanlagen optimal für die Wärmepumpe und das Laden der Elektroautos zu nutzen. Sahli ist sehr zufrieden mit der neuen Unabhängigkeit: «Im Sommer sind wir dank der Anlage praktisch autark!»

Mit Nachbarn zusammenschliessen kann sich lohnen

Der wichtigste Rat von Markus Sahli für andere Eigentümerinnen und Eigentümer in ähnlicher Situation: «Wenn man die Möglichkeit hat, sich mit den Nachbarn zusammenzuschliessen, sollte man das tun.» Der Prozess mit mehreren Parteien erfordert zwar Koordination und Entscheidungsfreude, zahlt sich jedoch langfristig aus. Wichtig sei es vor allem, frühzeitig eine professionelle Beratung beizuziehen für einen ganzheitlichen Blickwinkel. So konnten beispielsweise die in die Jahre gekommenen Elektroboiler gleich mitersetzt werden.

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Gute Beispiele und Tipps

Erfahren Sie, wie andere Eigentümerinnen und Eigentümer beim Heizungsersatz vorgegangen sind und wie sie heute davon profitieren. Erhalten Sie nützliche Tipps, wie Sie selbst zur besten Heizlösung mit erneuerbarer Energie kommen.

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