Das Wichtigste in Kürze
Betroffenen Liegenschaftsbesitzende werden frühzeitig, d.h. mindestens 5 Jahre vor der Stilllegung, persönlich informiert.
Der gemeinsamen, zielgruppenorientierten Kommunikation des Vorhabens mit einem Fokus auf Chancen (Unabhängigkeit, Wertsteigerung) schenkt Rheinfelden viel Beachtung.
Nicht nur regelmässig transparent informieren, sondern motivieren und konkrete Unterstützung beim Heizungsersatz anbieten.
Die Stadt entschädigt den Restwert noch nicht amortisierter Gasgeräte und notwendigen Elektroverteilungen. Damit mindert sie Sorgen vor finanziellen Einbussen.
Wärmezukunft 2050: Wie die Stadt Rheinfelden das Gasnetz schrittweise stilllegt
Rheinfelden legt sein Gasnetz bis 2050 schrittweise still – koordiniert, proaktiv, gemeinsam, transparent und mit konkreten Alternativen für alle Liegenschaften.
Stadt Rheinfelden handelt proaktiv und bindet Partner ein
Die Stadt Rheinfelden hat sich 2020 zum Netto-Null-Ziel bis 2050 verpflichtet. Der Gasabsatz in Rheinfelden ist schon länger rückläufig, Ersatzinvestitionen ins Gasnetz nicht mehr wirtschaftlich. Gemeinsam mit dem lokalen Wärmeversorger, der Gasversorgerin, der kantonalen Energieberatung und der kommunalen Energiekommission hat die Stadt entschieden, das Vorgehen zur Stilllegung gemeinsam anzugehen. In gemeinsamen Workshops haben Stadt, EVUs und Beratungsstellen das Vorgehen entwickelt und eine überzeugende Kommunikationsstrategie erarbeitet. Begleitet wurde der Prozess von einer externen Beratungsfirma. Ein koordiniertes Vorgehen schafft Planungs-Sicherheit und spart Kosten für alle Beteiligten. In der Umsetzung werden Herausforderungen konkret angesprochen und gemeinsam Lösungen erarbeitet.

Informationsveranstaltung zur Wärmeversorgung in Rheinfelden.
Stilllegungs-Phasen
Die Stilllegung ist gebäudescharf in drei Zeitphasen geplant. Die Beteiligten stimmen die Stilllegung mit dem Erneuerungsbedarf der Gasleitungen, dem Fernwärme-Ausbau und Strassenprojekten ab – um Synergien zu nutzen, Kosten zu senken und Baustellen zu minimieren.
Die Stadt Rheinfelden will nicht einfach weg vom Gas. Wir möchten gemeinsam eine fossilfreie, unabhängige Wärmeversorgung aufbauen, die mit den Energiezielen der Stadt übereinstimmt und Allen ein gutes Gefühl gibt.
Erfolgreiche Dekarbonisierung der Wärmeversorgung ist 20 % Technik und 80 % Kommunikation. Nur wer die Menschen frühzeitig mitnimmt, ihre Ängste ernst nimmt und echte Lösungen bietet, wird die Energiewende lokal zum Erfolg führen.
Transparenz und Planungs-Sicherheit für Eigentümer
Liegenschaftsbesitzende erhalten mindestens fünf Jahre vor der Stilllegung eine verbindliche Mitteilung der Gasversorgerin. Ein öffentlich zugängliches Online-Tool zeigt für jede Adresse den geplanten Stilllegungs-Zeitraum sowie mögliche Heizungs-Alternativen: Die Wärmeversorgung bleibt während der gesamten Umstellungs-Phase gewährleistet. Für Liegenschaften mit besonderen Herausforderungen – zum Beispiel Vorschriften des Denkmalschutzes oder sehr enge Platzverhältnisse – unterstützt die Stadt die Betroffenen bei der Suche nach einer passenden Lösung.
Fairness durch Restwert-Entschädigung
Wer beim Zeitpunkt der Gasabschaltung ein noch nicht amortisiertes Gas-Gerät betreibt, kann dafür bei der Stadt eine Restwert-Entschädigung beantragen. Muss ein Gasherd durch einen Elektrokochgerät ersetzt werden, ist oft eine Erneuerung der Elektroverteilung notwendig. Auch dies unterstützt die Stadt finanziell.
Erneuerbare Alternativen für jede Liegenschaft
Rheinfelden verfügt über gut ausgebaute Fernwärme-Verbünde, die Abwärme von lokalen Betrieben und Holz als Energiequelle nutzen. Wo ein Anschluss möglich ist, ist Fernwärme eine gute Lösung. Bei Liegenschaften ausserhalb des Fernwärme-Perimeters wird am häufigsten eine Luft-Wasser-Wärmepumpe gewählt. Auch Kleinwärmeverbunde können geprüft werden – sogenannte Nanoverbunde. Spezielle Herausforderungen birgt die Altstadt, wo die Verhältnisse eng und die rechtlichen Rahmenbedingungen herausfordernd sind. Hier prüft die Stadt aktuell, ob eine Erschliessung mit Fernwärme wirtschaftlich umsetzbar ist.
Unterstützung
Hauseigentümer erhalten praktische Unterstützung. Wer den nächsten Schritt machen will, muss das nicht alleine tun. Kostenlose Energieberatungen und Fördergelder von der Stadt, dem Kanton Aargau und dem Bund erleichtern den Heizungsersatz.
Was können andere Gemeinden von Rheinfelden lernen?
Das Vorgehen von Rheinfelden ist übertragbar. Die zentralen Erfolgsfaktoren sind:
Frühzeitiger Start: Kommunikation beginnt lange vor den ersten Stilllegungen – das schafft Klarheit und gibt Planungs-Sicherheit.
Partnerschaften: Stadt, EVU und Gasversorgerin treten gemeinsam auf und kommunizieren konsistent. Sie schaffen so Vertrauen bei der Zielgruppe.
Transparenz: Daten sind online verfügbar. Das reduziert individuelle Anfragen und stärkt die Glaubwürdigkeit.
Fairness: Eine Restwert-Entschädigung mindert finanzielle Hürden und erhöht die Akzeptanz.
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Informationen
Das Projekt im Überblick
Zeitdauer | 2020 hat sich die Stadt Rheinfelden zum Netto-Null-Ziel bis 2050 verpflichtet. Bis dahin wird das Gasnetz schrittweise stillgelegt. Die Stilllegung ist gebäudescharf in drei Zeitphasen geplant und mit dem Fernwärme-Ausbau sowie mit Strassenprojekten abgestimmt. Betroffene Liegenschaftsbesitzende werden mindestens fünf Jahre vor der Stilllegung ihres Anschlusses persönlich informiert. |
Kosten und Finanzierung | Fördergelder von Stadt, Kanton Aargau und Bund erleichtern den Heizungsersatz; die Energieberatung ist kostenlos. Die Stadt entschädigt den Restwert von Gas-Heizungen und Gas-Kochherden, die zum Zeitpunkt der Abschaltung noch nicht vollständig amortisiert sind. Das koordinierte Vorgehen – die Abstimmung von Stilllegung, Fernwärme-Ausbau und Strassenprojekten – nutzt Synergien und senkt die Kosten für alle Beteiligten. Die Restwert-Entschädigung nimmt die Sorge vor finanziellen Einbussen und erhöht die Akzeptanz. |
Involvierte Akteurinnen und Akteure | Stadt Rheinfelden, Stabsstelle Umwelt Energie Mobilität (Federführung) Lokaler Wärmeversorger (AEW) und aktueller Gasversorger (IWB); Fernwärme-Verbünde der AEW Energieberatung und Energiekommission Rheinfelden IEU Kommunikation AG als externe Projektbegleitung Liegenschaftsbesitzende als zentrale Zielgruppe Bund und der Kanton Aargau über ihre Förderprogramme |
Erfolge | Gemeinsam getragenes Vorgehen: Stadt, EVU und Beratungsstellen haben Vorgehen und Kommunikationsstrategie in Workshops erarbeitet und treten konsistent auf. Planungssicherheit dank gebäudescharfer Phasenplanung und persönlicher Vorinformation mit fünf Jahren Vorlauf. Ein öffentlich zugängliches Online-Tool zeigt pro Adresse den geplanten Stilllegungs-Zeitraum und die verfügbaren Heizungs-Alternativen. Das reduziert Einzelanfragen und stärkt die Glaubwürdigkeit. Für jede Liegenschaft steht eine erneuerbare Alternative bereit; die Wärmeversorgung bleibt während der gesamten Umstellungs-Phase gewährleistet. |
Herausforderungen | Lange Zeithorizonte bis 2050: Betroffene müssen über Jahre hinweg informiert und motiviert bleiben. Komplexität des Heizungsersatzes mit technischen, baulichen und finanziellen Fragen pro Liegenschaft. Psychologische Hürden: Sorge vor finanziellen Einbussen und Abschied von einer lange Zeit günstigen und unbestrittenen Energiequelle. Bauliche Sonderfälle wie geschützte Bauten, enge Platzverhältnisse, Altstadt und Reihen-Einfamilienhäuser, wo Wärmepumpen oder Pellets-Heizungen schwierig zu realisieren sind. Ein Fernwärme-Anschluss ist nicht überall wirtschaftlich möglich. |
Nachhaltige Perspektive | Vollständiger Ausstieg aus dem fossilen Erdgas bis 2050 als Beitrag zum Netto-Null-Ziel der Stadt. Ersatz durch Fernwärme aus lokaler Abwärme, Luft-Wasser-Wärmepumpen und – wo baulich sinnvoll – neue lokale Wärme-Verbünde. Kommunikation mit Fokus auf Chancen: Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern und Wertsteigerung der Liegenschaft. Das Vorgehen ist übertragbar. Erfolgsfaktoren sind ein frühzeitiger Start, Partnerschaften zwischen Stadt und EVU, Transparenz und Fairness. |
Hinweise/Besonderheiten | Besonderheit Restwert-Entschädigung: Sie ist ein zentrales Element der Akzeptanz und in dieser Form nicht selbstverständlich. Besonderheit Online-Tool: adressscharfe Auskunft über Zeitraum und Alternativen, öffentlich zugänglich. Für Liegenschaften mit besonderen baulichen Gegebenheiten sucht die Stadt gemeinsam mit den Betroffenen individuelle Lösungen: «Nicht eine Lösung für alle – aber für alle eine Lösung.» Kommunikation als Erfolgsfaktor: «Erfolgreiche Energieplanung ist 20 % Technik und 80 % Kommunikation.» (Fabian Cortesi, IEU Kommunikation AG) |
Kontakt
Christine Arnold Leitung Stabsstelle Umwelt Energie Mobilität, Stadt Rheinfelden +41 61 835 52 99 christine.arnold@rheinfelden.ch


