«Der vollständige Verzicht auf fossile Brennstoffe ist das Herzstück der neuen MuKEn 2025»

Die neuen MuKEn 2025 markieren einen Paradigmenwechsel in der Energiepolitik der Kantone: weg von fossilen Brennstoffen, effizientere Überbauungen und eine zunehmend integrierte Stromproduktion. Im Interview erläutert Regierungsrat Claudio Zali, wie das Tessin sich auf diese Veränderungen vorbereitet, welche Massnahmen bereits ergriffen wurden und welche Herausforderungen noch auf die Wohneigentümerinnen und -eigentümer zukommen.

Am 19. September 2025 hat die Konferenz Kantonaler Energiedirektoren (EnDK) die revidierten Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (MuKEn) verabschiedet. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Bestandteile der neuen MuKEn 2025?

Der vollständige Verzicht auf fossile Brennstoffe, sowohl bei Neubauten als auch bei bestehenden Gebäuden, ist sicher das Schlüsselelement der neuen MuKEn 2025. Damit einher geht die Einführung des Konzepts der grauen Energie in der Baubranche. Dieser zentrale Aspekt könnte einen grossen Einfluss auf die Art und Weise haben, wie gebaut wird. Nicht zuletzt ist auch der Wille erkennbar, die Stromproduktion von (neuen und bestehenden) Gebäuden zu erhöhen, damit sie ihren Eigenbedarf decken können. Zudem wird man Aspekte der Elektromobilität vermehrt als wesentlichen Bestandteil eines Gebäudes betrachten.

Werden aufgrund der MuKEn 2025 aktuell Änderungen in der Gesetzgebung des Kantons Tessin geprüft oder geplant?

Am 1. Januar 2024 sind wichtige Änderungen des kantonalen Energiegesetzes sowie eine neues Energieverordnung in Kraft getreten, welche die Inhalte der MuKEn 2014 übernommen haben. Derzeit prüft Grosse Rat jedoch die Annahme des kantonalen Energie- und Klimaplanes (KEKP) zusammen mit einigen Gesetzesänderungen, die den Inhalten der MuKEn 2025 vorgreifen. Dabei geht es insbesondere um das Thema Stromproduktion mit der Pflicht zur Installation von Photovoltaikanlagen auf sämtlichen – auch bestehenden – Bauten sowie um den Wegfall der Nutzung fossiler Energiequellen für den Wärmeverbrauch in Wohngebäuden.

Wie weit ist der Kanton Tessin hinsichtlich der Dekarbonisierung des Gebäudeparks? Wurden bereits oder werden viele mit fossilen Brennstoffen betriebene Heizungen durch auf erneuerbaren Energien basierende Systeme ersetzt?

Der Weg zur vollständigen Dekarbonisierung der Bauten in unserem Kanton ist noch sehr lang. Doch der Anfang ist ja bekanntlich oft das Schwierigste. Das Ziel ist, einen Zustand zu erreichen, in dem keine Förderung mehr erforderlich ist. Ich glaube, dass wir hier auf einem guten Weg sind, auch wenn es noch viel zu tun gibt. Der Kanton Tessin verfügt über ein Legislaturprogramm, welches das Konzept der Dekarbonisierung explizit berücksichtigt und bedeutende Investitionen vorsieht, um den Wandel hin zu einer zu 100 Prozent erneuerbaren und klimaneutralen Gesellschaft wirkungsvoll zu fördern. Die Erreichung dieses Ziels wird durch ein Monitoring begleitet. Dazu gehört die jährliche Energie- und Emissionsbilanz, die zeigt, dass unser Verbrauch fossiler Brennstoffe und die damit verbundenen CO2-Emissionen seit 2008 deutlich gesunken sind.

Wie unterstützen Sie Wohneigentümerinnen und -eigentümer im Kanton Tessin beim Umstieg auf ein erneuerbares Heizsystem?

Seit über 20 Jahren bietet der Kanton Tessin im Energiebereich eine breite Palette von Förderinstrumenten an. Insbesondere gibt es seit 2011 spezifische Förderungen für die Umrüstung von Heizungsanlagen, die mit fossilen Brennstoffen oder direktem Strom betrieben werden, sowie für die thermische Sanierung von Gebäuden. Seit 2021 werden zudem spezifische Fördermittel für Energieberatungen und für Energieausweise von Gebäuden. Daneben gibt es laufend zahlreiche Aktivitäten, die darauf abzielen, die Bevölkerung zu informieren und die kantonale Energiepolitik zu unterstützen, wobei man in den Bereichen Energieeffizienz, erneuerbare Energien und nachhaltige Mobilität mit anderen Akteuren vor Ort kooperiert. Dies sind die Eckpfeiler der kantonalen Energiepolitik.

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«Wir empfehlen, frühzeitig aktiv zu werden und nicht abzuwarten, bis die eigene Heizungsanlage kaputt ist.»
Claudio Zali, Regierungsrat Kanton Tessin

Welches sind Ihrer Erfahrung nach die grössten Herausforderungen für Wohneigentümerinnen und -eigentümer beim Heizungswechsel?

Beim Ersatz der Heizungsanlage sind wirtschaftliche, regulatorische, technische und verfahrensrechtliche Aspekte zu prüfen. Die Herausforderung besteht darin, herauszufinden, was getan werden kann und welche Fördermittel zur Verfügung stehen. Sich in der Energielandschaft zurechtzufinden, ist anspruchsvoll. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, den Wohneigentümerinnen und -eigentümern Zugang zu den verfügbaren Hilfsmitteln und Informationen zu verschaffen, damit sie die richtigen Entscheidungen treffen können, wenn sie eine mit fossile oder direkt elektrisch betriebene Heizung ersetzen wollen.

Welches Vorgehen empfehlen Sie Wohneigentümerinnen und -eigentümern im Kanton Tessin, die noch eine fossile oder direkt elektrisch betriebene Heizung besitzen?

Wir empfehlen, frühzeitig aktiv zu werden und nicht abzuwarten, bis die eigene Heizungsanlage kaputt ist. So kann eine Impulsberatung zu erneuerbarem Heizen durch neutrale Fachkräfte in Anspruch genommen werden, um alle verfügbaren Optionen bestmöglich abzuwägen und Informationen zu allen wirtschaftlichen, regulatorischen, technischen und verfahrensrechtlichen Aspekten einzuholen. Als nächsten Schritt empfehlen wir, mehrere Offerten für den Heizungswechsel einzuholen und sich parallel über das Förderverfahren zu informieren, damit schliesslich eine sinnvolle und bewusste Entscheidung getroffen werden kann.

Gute Beispiele und Tipps

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