Solarstrom für Mieterinnen und Mieter

Sind Sie Mieterin oder Mieter einer Liegenschaft und verfügen über kein eigenes Dach oder keine eigene Fassade, die Sie mit einer Solaranlage ausstatten können? Mittlerweile gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie Sie auch als Mieterin oder Mieter Solarenergie beziehen und fördern können und damit zu einer nachhaltigen Energiezukunft beitragen.

Das müssen Sie wissen

61,9 Mrd.

Im Jahr 2018 hat die Schweiz 61,9 Milliarden kWh Strom verbraucht.

33%

Am meisten Strom verbraucht die Schweizer Bevölkerung. Ein Drittel des Stroms wird in privaten Haushalten verbraucht. Dadurch tragen Privatpersonen massgeblich dazu bei, wie sich der Energiemarkt in Zukunft entwickelt. Je mehr Strom die Haushalte aus erneuerbaren Quellen beziehen, desto mehr Strom kann wiederum aus erneuerbaren Quellen produziert und zur Verfügung gestellt werden.

Strom bleibt Strom

Strom bleibt Strom – egal aus welcher Quelle er stammt. Physikalisch ist die erzeugte Elektrizität aus der Sonnenenergie von derjenigen aus Kernkraftwerken nicht zu unterscheiden. Ist der Strom einmal im Netz, lässt sich dessen Herkunft nicht mehr bestimmen. Um diese dennoch deklarieren zu können, gibt es das System der Herkunftsnachweise. Beinahe für jede produzierte Kilowattstunde Strom wird ein Herkunftsnachweis ausgestellt, der die Energiequelle dieses Stroms deklariert. So kann der ökologische Mehrwert der erneuerbaren Energien erfasst werden, damit diese auf dem freien Markt mit dem entsprechenden Mehrwert gehandelt werden können.

Weitere Informationen zu Herkunftsnachweisen finden Sie unter www.pronovo.ch

Das können Sie tun

Üblicherweise erhalten Sie als Kundin oder Kunde einen Strommix aus Wasserkraft und Kernenergie. Wenn Sie Solarstrom beziehen möchten, können Sie dies ganz einfach bei Ihrem Stromversorgungsunternehmen beantragen. Viele Elektrizitätswerke und Stromversorgungsunternehmen bieten mittlerweile erneuerbare Stromprodukte an. Diejenigen Strom-Versorgungsunternehmen, welche ein Stromprodukt mit mehr als 30 Prozent Solarstrom anbieten, finden Sie in der untenstehenden Übersicht.

Für den Bezug von Solarstrom gibt es in der Regel zwei Modelle: Sie können Solarstrom entweder standardmässig beziehen und Ihren Strombedarf damit zu 100% decken. Stromversorgungsunternehmen kaufen anschliessend so viele Herkunftsnachweise auf dem Strommarkt ein, die Ihrem Stromverbrauch entsprechen. Oder Sie kaufen Solarstrom in Tranchen ein. Gerade kleinere Unternehmen, die regional produzierten Solarstrom anbieten, bieten diese Möglichkeit an und kaufen wiederum dieser Menge entsprechend Herkunftsnachweise ein.

Ihre Vorteile

  • Keine Investitionskosten
  • Geringer Aufwand mit überschaubaren Mehrkosten
  • Nachfrage nach Herkunftsnachweisen wird stimuliert
  • Teilweise regionale Produktion von Solarstrom

Übersicht über Stromversorgungsunternehmen

Solargenossenschaften bauen, betreiben und finanzieren Solaranlagen gemeinschaftlich und handeln mit der produzierten Energie und deren ökologischem Mehrwert in Form von Herkunftsnachweisen.

Durch die Zeichnung von Anteilsscheinen können Sie Genossenschafterin oder Genossenschafter werden. Für die Mitgliedschaft stellen Sie Eigenkapital zur Verfügung, das für den Bau von Solaranlagen verwendet wird. Im Gegenzug erhalten Sie den ökologischen Mehrwert oder eine monetäre Gutschrift gemäss Produktion und Anteilsscheinen. Die Photovoltaikanlagen gehören der Genossenschaft und ihren Mitgliedern. Viele Genossenschaften bieten ihren Solarstrom auch direkt zum Verkauf an. Konsultieren Sie für diese Option die Webseite ihrer lokalen Solargenossenschaft.

Ihre Vorteile

  • Mitspracherecht
  • Direkte Investition in den Ausbau von Solaranlagen
  • Finanzielle Mehrwertabschöpfung und/oder direkter Solarstrombezug möglich
  • Keine örtliche Gebundenheit

Übersicht über Solargenossenschaften

Solarvereine sind ähnlich aufgebaut wie Solargenossenschaften. Als Mitglied kaufen Sie jedoch keine Anteilsscheine wie bei den Solargenossenschaften, sondern zahlen einen jährlichen Mitgliederbeitrag. Solarvereine können verschiedene Zwecke verfolgen. Viele widmen sich dem kollektiven Ausbau von solarer Stromproduktion und deren Vermarktung. Normalerweise kann jede Person Mitglied beim Verein werden, wobei in manchen Fällen eine Dienstleistung ausschliesslich mit einer Mitgliedschaft bezogen werden kann. Die Photovoltaikanlagen befinden sich dann im Eigentum der Vereine.

Ihre Vorteile

  • Mitspracherecht
  • Keine Investitionskosten
  • Direkte Investition in den Ausbau der Solarenergie (mit dem Mitgliederbeitrag)
  • Direkter Solarstrombezug möglich
  • Keine örtliche Gebundenheit

Übersicht über Solarvereine

Vor allem in grösseren Gemeinden und in Städten gibt es die Möglichkeit, sich an einem Crowdfunding zu beteiligen. Dabei können Sie Anteile an Solarpanels «kaufen» und damit den Ausbau von Photovoltaikanlagen fördern. Zusätzlich können Sie den produzierten Solarstrom beziehen. Für Sie als Mieterin oder Mieter kann ein solches Beteiligungsmodell darum attraktiv sein, da Sie damit Ihren Solarstrombezug mit einer einmaligen Anfangsinvestition ohne laufende Kosten für Unterhalt und Betrieb decken können.

Der Preis für einen Quadratmeter Panel bewegt sich zwischen CHF 300.- und 650.-, je nach Anbieter, Standort und Grösse der Anlage. Nach dem Erwerb einer Fläche wird Ihnen der produzierte Strom in der Regel über 20 bis 25 Jahre pauschal von der Stromrechnung abgezogen. Zu beachten ist, dass das Modell bei einem Umzug unter Umständen nicht übertragbar ist und daher eine örtliche Gebundenheit voraussetzt.

Ihre Vorteile

  • Direkte Investition in den Ausbau von Solaranlagen
  • Direkter Solarstrombezug möglich
  • Rendite oder finanzielle Mehrwertabschöpfung
  • Dezentral und regional (Strom aus der Gemeinde)

Übersicht über Crowdfunding-Möglichkeiten

Ökostrombörsen sind Online-Plattformen, auf denen dezentrale Stromproduzierende ihre Herkunftsnachweise handeln. Dort können Sie auch als Privatperson Produzierende aus ihrer Region suchen und die von Ihnen gewünschte Strommenge erwerben. Die erhältlichen Mengen und Mindestbestellungen variieren je nach Plattform. Den physikalischen Strom beziehen Sie weiterhin von Ihrem lokalen Stromversorgungsunternehmen, erhalten aber zusätzlich oder ergänzend eine Stromrechnung für den ökologischen Mehrwert. Das Rechtverhältnis mit Ihrem lokalen Stromversorgungsunternehmen bleibt unverändert, allerdings erhalten Sie eine zusätzliche oder ergänzte Stromrechnung durch die Strombörse mit dem ökologischen Mehrwert.

Ihre Vorteile

  • Grosses Angebot
  • Keine Investitionskosten
  • Nachfrage nach Herkunftsnachweisen wird stimuliert
  • Keine örtliche Gebundenheit
  • Dezentral und nach Wunsch regional

Übersicht über Ökostrombörsen

Eine Solarvignette ist in der Regel in Form eines kleinen Aufklebers erhältlich und zeichnet eine bestimmte Bezugsmenge jährlichen Solarstroms aus. Mit der Solarvignette erwerben Sie Solarstrom für Ihre Haushaltsgeräte und stimulieren so die Nachfrage nach Solarstrom. Pro Solarvignette erwerben Sie so viel Solarstrom, wie Ihr Gerät durchschnittlich pro Jahr verbraucht. Das Gerät können Sie weiterhin an der normalen Steckdose betreiben. Die bezogene Energie ist nun aber mit Solarstrom gedeckt.

Die entsprechende Strommenge wird mit Solaranlagen produziert und ins öffentliche Stromnetz eingespeist. Die Produzierenden werden entsprechend vergütet oder der eingenommene Mehrertrag wird direkt in weitere Anlagen investiert.

Ihre Vorteile

  • Keine Investitionskosten
  • Kleinstmengen verfügbar
  • Nachfrage nach Herkunftsnachweisen wird stimuliert
  • Keine örtliche Gebundenheit

Übersicht über Solarvignetten

Mit einer Mini-Anlage bis 600 Watt Leistung können Sie bewilligungsfrei selber Strom produzieren. Inzwischen ist eine grosse Palette an Produkten verfügbar, welche sich mit einer einfachen Vorrichtung am Balkon oder an der Fassade anbringen und auch wieder entfernen lassen. Darüber hinaus sind auch Tische, Gartenhäuschen etc. erhältlich. Die Anlagen lassen sich mit einem Stromkabel an die Steckdose anschliessen. Die produzierte Strommenge wird im Eigenverbrauch direkt genutzt und der Rest ins Stromnetz gespeist. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Elektrizitätswerk und lassen Sie sich allenfalls den Zähler für die Rücklieferung freischalten. Darüber hinaus sollten Sie in jedem Fall Ihre Vermieterin oder Ihren Vermieter informieren.

Ihre Vorteile

  • Direkte Investition
  • Eigener Besitz
  • Finanzielle Mehrwertabschöpfung
  • Keine örtliche Gebundenheit

Sie können als Mieterin und Mieter auch selber aktiv werden und gemeinsam mit dem Vermieter oder der Vermieterin einen Zusammenschluss zum Eigenverbrauch gründen. Der Strom kann so direkt vom Dach bezogen und in der Liegenschaft verbraucht werden. Der nicht direkt verbrauchte Strom wird in das Netz eingespeist.

Weitere Informationen zum Eigenverbrauch

Bei den vielen Angeboten kann man rasch den Überblick verlieren. Machen Sie in unserem Merkblatt den Test und finden Sie heraus, welches Modell am besten zu Ihren Bedürfnissen passt.


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